"Il Dio della Carneficina" - "Der Gott des Gemetzels"

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"Il Dio della Carneficina" - "Der Gott des Gemetzels"

Beitragvon mingi17 » 22. Jun 2008 20:30

Das Ehepaar Véronique und Michel Houillé empfangen in ihrer Pariser Wohnung das Ehepaar Annette und Alain Reille. Der 11jährige Ferdinand Reille hat den gleichaltrigen Bruno Houillé in der Schule mit einem Stock verprügelt und ihm zwei Schneidezähne dabei herausgeschlagen. Die Eltern der beiden sind zusammengekommen, um das Geschehen zu diskutieren. Véronique ist eine sozialkritische Schriftstellerin, die an einem Buch über den Darfur-Konflikt arbeitet. Ihr Mann Michel betreibt einen Eisenwarengroßhandel. Annette Reille ist Vermögensberaterin und ihr Mann Alain ein erfolgreicher Jurist, der für einen Pharmazie-Konzern arbeitet. Das Gespräch beginnt harmlos. Annette und Alain geben sich schuldbewusst und Véronique und Michel geben zu verstehen, dass sie eine friedvolle Übereinkunft möchten, wenn nicht sogar zur Vergebung bereit sind. Doch langsam erhält der Konflikt einen anderen Ton. Die Diskussion wird ständig durch Alain unterbrochen, da er berufliche Anrufe auf sein Handy erhält und lautstark versucht, einen Pharmazie-Skandal seines Unternehmens in den Griff zu bekommen. Außerdem klingelt häufiger das Telefon der Houillés, weil Michels Mutter ständig anruft. Es stellt sich heraus, dass Michels Mutter das Medikament nimmt, dessen schwerwiegende Nebenwirkungen Alain über sein Handy zu vertuschen versucht. Nach und nach drängen die Schwachpunkte der einzelnen Lebensläufe an die Oberfläche. Die Atmosphäre wird zunehmend aggressiver und somit auch die Beurteilung der Tat des 11jährigen Ferdinand und die Beurteilung der Opferrolle von Bruno. Véronique und Michel können die Verurteilung jeglicher Gewalt nicht mehr aufrecht erhalten, als sich herausstellt, dass Michel heimlich den Hamster seiner Tochter entsorgt und damit getötet hat. Das Ehepaar Reille nutzt diesen Umstand, um die Schuld von ihrem Sohn abzuwenden. Sie stellen Michels Handeln als unverantwortlich und schändlich dar. Michel gilt als der Weichling und möchte plötzlich neben dem skrupellosen Anwalt härter wirken, als er es tatsächlich ist. Annette leidet unter ihrem ignoranten Ehemann. Michel serviert als guter Gastgeber neben dem Clafoutis seiner Frau einen ausgezeichneten Rum. Der Alkohol bewirkt schließlich die Eskalation. Annette übergibt sich auf einen wertvollen alten Bildband von einer Ausstellung Oskar Kokoschkas und ertränkt das Handy ihres Mannes in einer Vase mit Tulpen. Die Beziehung zwischen den Söhnen sollte wiederhergestellt werden, doch dann lassen die beiden Paare ihre eleganten Wohlstandsmasken fallen und ergehen sich in einem Streit, wobei die Koalitionen paarübergreifend wechseln. Einzig Alain fühlt sich letztlich in seiner Weltanschauung bestätigt. Er habe immer an den Gott des Gemetzels geglaubt.


Hallo Mädels,

eigentlich ist das ja ein Theaterstück, aber ich dachte, es paßt trotzdem besser in diese Rubrik als in die "Alles über Alessio". Ich habe das Stück gelesen, intensiv gelesen und bin aber der Meinung, es steht und fällt damit, wie es auf die Bühne gebracht wird. Vielleicht können wir ja bis Februar noch über einiges diskutieren. Hoffen wir auf Frau Urbani, für die, sollte sie uns wirklich die Karten organisieren, ein Blumenstrauß drin sein sollte.
Wer Interesse an dem Stück hat, soll sich bitte über PN mit mir in Verbindung setzen.

Einen schönen Abend, ich hoffe auch auf ein Gewitter, es ist unerträglich heiß und schwül

LGBirgit
Zuletzt geändert von mingi17 am 24. Jun 2008 15:04, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: "Il Dio della Carneficina" - "Der Gott des Gemetzels"

Beitragvon mingi17 » 24. Jun 2008 15:00

Hier eine Kritik zur Uraufführung des Stücks in Zürich, aus der hervorgeht, was wir erwarten dürfen. Alessio sagte kürzlich in einem Interview, dass sie erreichen möchten, dass die Zuschauer sich biegen vor Lachen.


Yasmina Rezas neues Stück "Der Gott des Gemetzels" zeigt zwei Ehepaare beim Kampf jeder gegen jeden – und erweist sich bei der Uraufführung als smarter und zum Brüllen komischer Klamauk, der die Theaterbühnen in aller Welt erobern wird.

Einmal, als sich alle vier Menschen, zwei erfolgsverwöhnte Männer und zwei elegante Frauen, schon hoffnungslos ineinander verbissen und verkeilt haben, als man sich rundherum geküsst und geschlagen und beschimpft hat, dass das Gift nur so spritzte (und allerlei ungute Flüssigkeiten mehr), da gibt es einen kurzen Augenblick der Besinnung und der Einkehr auf der Bühne des Zürcher Schauspielhauses: Es ist der Augenblick, in dem Corinna Kirchhoff in der Rolle der Anwaltsgattin Annette ihrem ständig ins Telefon bellenden Wichtigtuergatten Alain (Michael Maertens) das Handy entreißt und es kurz entschlossen im Blumenwasser einer gläsernen Vase versenkt.


DPA
Erfolgsautorin Jasmina Reza: Ihr jüngster Theatercoup ist eine slapstickhafte Eheschlacht
Die Folge ist ein Moment des Schweigens – und dann wimmert der baumlange, arrogante, mit langen Schmierhaaren geschmückte Kerl, das triefende, kaputte Gerät in der Hand: "Aber das ist doch mein ganzes Leben!"

Wie fast jedes große Desaster fängt die Sache ganz harmlos an in "Der Gott des Gemetzels", dem neuen Stück der französischen Dramatikerin Yasmina Reza: Zwei Ehepaare treffen sich in der Wohnung des einen Paars, weil sich ihre elfjährigen Söhne geprügelt haben. Bruno, dem Sohn der Gastgeber, wurden dabei zwei Schneidezähne ausgeschlagen.

Die schöne, schon durch ihre flatternden Augenlider als nervös überspannt erkennbare Politiksachbuch-Autorin Veronique (Dörte Lyssewski) und ihr ein bisschen rundlicher, pullovertragender Mann, der Küchengerätehändler Michel (Tilo Nest), wollen aus der Verletzung ihres Sohnes kein großes Drama machen. Sie finden nur, die Kinder "sollten miteinander reden", und so was wie eine Entschuldigung des Täterknaben beim Opfer wünschen sie sich auch: "Wir sind so naiv, an die zivilisierende Kraft der Kultur zu glauben."

Natürlich ist es genau mit dieser Zivilisation nicht weit her (und es gibt schon um die Bewertung des Tathergangs bei der Jungs-Prügelei erste Kriegserklärungen) - auf dieser durchsichtigen und überdeutlich ausgesprochenen Idee beruht das Stück. Die Überraschung der Uraufführung durch den sorgfältigen, psychologisch geradezu detailverrückten (und gerade erst mit dem neuen deutschen Theaterpreis "Faust" ausgezeichneten) Regisseur Jürgen Gosch aber besteht darin, dass sich aus dem scheinbar nichtigen Anlass ein wirklich hochkomischer, böser und abgefeimter Theater-Irrsinn entwickelt; eine Eheschlacht, wie sie ähnlich und wohl bis heute am allerschönsten Edward Albee in "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?" gelungen ist. Der Spaß des Publikums basiert in solchen Fällen seit je auf reiner Schadenfreude und gruselseligem Wiedererkennen eigener Beziehungskatastrophen.

Giftiges Versöhnungstreffen

Allerdings arbeitet Yasmina Reza mit den drastischen Mitteln moderner Massenunterhaltung. In "Der Gott des Gemetzels" wird gebrüllt, geknutscht, gesoffen und geschlagen, klar; aber darüber hinaus geht es um einen üblen Pharmaskandal (den Alain vertuschen will), die Misshandlung eines Hamsters - und es wird auf offener Bühne gekotzt. Die Anwaltsgattin Annette (Kirchhoff) spuckt den zum Kaffee gereichten Versöhnungskuchen bald nach Verzehr auf die prachtvollen Bildbände der Gastgeber: weil sie ihren Sohn als Löwenmutter eben mit allen Mitteln verteidigen will, weil sie von ihrem Mann genervt ist und weil die spitzen Schreie der entsetzten Gastgeber ("die kübelt uns die Wohnung voll") sie beim Entleeren ihres Magens anspornen.

Reza wurde vor zwölf Jahren weltberühmt durch das Stück "Kunst". In dem streiten sich drei Männerfreunde um den Wert eines Bildes, auf dem nichts zu sehen ist außer weißer Farbe und ein paar Rillen; das Ganze steigert sich zu einer komischen Zimmerschlacht um menschlichen Respekt und intellektuelle Lebensart an sich. Seither hat die Dramatikerin ein paar Romane ("Adam Haberberg") verfasst und einige nicht ganz so raffinierte Stücke ("Drei Mal Leben"), zuletzt verirrte sie sich brutal ins Hochtrabende: Ihr letztes, vor ein paar Monaten in Berlin gleichfalls von Gosch aufgeführtes Stück hieß lachhafterweise "Im Schlitten Arthur Schopenhauers".

Diesmal aber, in "Gott des Gemetzels", reiht Reza wieder lauter banale Nichtigkeiten aus dem bürgerlichen Alltagsleben aneinander und platziert furiose Running Gags (wenn gar nichts mehr geht, kommt immer der Hamster ins Spiel) und kaltschnäuzig servierte Pointen: "Das Kotzen ist Ihnen aber gut bekommen", kommentiert die Hausherrin.

Johlende Zuschauer - Schauspieler in Topform

Mit großem Geschick dreht Reza die Handlung immer noch eine Windung weiter ins Groteske. Plötzlich verbünden sich die Männer gegen die Frauen, weil sie John Wayne verehren und finden, dass das Prügeln ein alterhergebrachtes Recht aller Elfjährigen sei; dann wieder will der tranige Michel seiner Frau das Schnapstrinken verbieten und ringt mit ihr um die Flasche; wenig später verhöhnt der schurkische Anwalt Alain, den Maertens hier als echt grandioses Arschloch spielt, das Gutmenschentum von Annette, weil sie an einem Buch über den Krieg im Sudan arbeitet: "Ich versteh', das man sagt, auja, da schreib ich mal ein Buch über ein Massaker."

Die Aufführung fängt spröde und fast statuarisch an, nach einer halben Stunde aber laufen die Schauspieler zu großer, slapstickvernarrter Form auf, rutschen durch Kuchenreste und Blumenwasser. Die Bühne von Johannes Schütz ist ein kühl stilisiertes Schickimicki-Wohnzimmer aus grauen Glasflächen, in dem Bücherstapel die einzigen Möbel sind. Die Menschen, die darin bald die verschmutzten Klamotten und die Masken des Anstands fallen lassen, wirken selbst ein wenig wie Versuchstiere im Labor, die irgendein Forscher (oder der von Alain zitierte "Gott des Gemetzels") aufeinander losgelassen hat.

Klatschend, johlend und glucksend zappeln die Premierenzuschauer in ihren Stühlen, weil dem Regisseur Gosch das Kunststück gelingt, all die philosophisch-anthropologische Gepäck, das die Figuren mit sich herumschleppen (von wegen der Mensch sei dem Menschen ein Wolf), plötzlich federleicht aussehen zu lassen. Der Zürcher "Gott des Gemetzels" ist eine heitere Sensation der aktuellen Theatersaison, das Stück aber wird nach diesem Triumph ganz sicher in aller Welt nachgespielt werden. Und überall wird der fiese Alain in sein tropfnasses, total ruiniertes Mobiltelefon hineinwinseln: "Aber das ist doch mein ganzes Leben!"
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Re: "Il Dio della Carneficina" - "Der Gott des Gemetzels"

Beitragvon AIl0y7 » 24. Jun 2008 16:03

Danke mingi,
für die Zusammenfassung und die Kritik des Werkes.
Muss ehrlich sagen, auf diese Vorstellung (wenn wir überhaupt Karten erhalten) bin ich auch sehr gespannt. Habe das Buch ebenfalls gelesen und wie Du schon irgendwo geschrieben hast wird das stehen und fallen mit den schauspielerischen Leistungen der 4 Protagonisten. Hoffe nur, das unsere Italienischkenntnisse uns da nicht im Stich lassen :!:
Eigentlich ist es ja eine <Comédie Noir> und könnte schon noch für Alessios Verwandelbarkeit zugeschnitten sein. Weil so irgendwie als <Pausenclown> mit einem Publikum, dass sich pausenlos auf die Schenkel klopft vor Lachen, könnte ich ihn mir nun schlecht vorstellen. Irgendwelche schwarzen Abgründe müssen im Stück einfach enthalten sein, damit er zur Höchstform aufläuft.
Denke aber schon, dass ich mir das Buch noch einige Male zur Brust nehmen muss, um mich darauf einzustimmen. Auch wenn ich mich hier wiederhole, aber auf dieses Abenteuer bin ich nun absolut gespannt. (Am Blumenstrauss bin ich selbstverständlich beteiligt, so mit etwas Bestechung läuft sowieso alles viel besser in Italien). ;)

LG Marianne
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Re: "Il Dio della Carneficina" - "Der Gott des Gemetzels"

Beitragvon mingi17 » 24. Jun 2008 17:13

Gespannt bin ich ja, welchen der Männer Alessio spielt. Zuerst habe ich ihn ja als Alain gesehen, mit dem Handy am Ohr, so wie auf dem einen Bild, aber je mehr ich mich dann eingelesen hatte, desto eher konnte ich ihn mir auch als Michel vorstellen. Vielleicht kriege ich das ja raus, bevor wir nach Rom fahren.
Marianne, nicht zweifeln, wir kriegendie Karten, bitte, bitte positiv denken!!! Ich bin ja auch so ein Zweifler, aber die Roberta Urbani schreibt doch: " You can be sure I will find the 12 tickets for you". Nur der Termin ist noch offen.
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Re: "Il Dio della Carneficina" - "Der Gott des Gemetzels"

Beitragvon mingi17 » 24. Jun 2008 19:23

Die aktuellen und kompletten Tourneedaten sind unter Alessios Terminkalender zu finden.
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Re: "Il Dio della Carneficina" - "Der Gott des Gemetzels"

Beitragvon mingi17 » 3. Jul 2008 23:39

Gerade komme ich aus München zurück, wo ich im Residenztheater den "Dio" angeschaut habe. Den Text kenne ich ja nun sehr gut (übrigens, wenn jemand der Nicht-Rom-Fahrer, was sich irgendwie nach Pilgerrreise anhört :lol: <9, den Text möchte, bitte über PN melden), aber die Umsetzung ist natürlich der springende Punkt und da hat sich Regisseur Dorn zu den Anweisungen der Yasmin Reza noch einiges einfallen lassen. Das ging schon damit an, dass die im Minimalbühnenbild - Tisch mit Büchern, 4 Stühle, Tulpensträusse - unter großen Tüchern bereits saßen, als das Publikum deswegen sehr spät eingelassen wurde. Die Tücher wurden dann weggezogen, statt des Vorhangs, der hoch geht. Wir haben an manchen Stellen wirklich Tränen gelacht. Und das mit der - Entschuldigung - Kotzerei war grandios gemacht, das ging wirklich über den Anzug und den Tisch und ohne Ende aus ihr raus. Wie die das gemacht haben, muss ich noch rausbringen. Aber wichtig ist schon, dass man den Text in etwa kennt, also vor Rom noch mal ganz genau anschauen! Es war aber wirklich auch gut gespielt und ich bin überrascht, dass die Sunnyi Melles, die ich sonst eher als so blaß in Erinnerung habe wie ihr Teint ist, eine echte Komödiantin ist. Das Stück dauerte nicht ganz 2 Stunden und wurde ohne Pause gespielt.
Fazit: kein verlorener Abend, ich freu mich schon auf die Umsetzung in Rom! Alessio hat ja versprochen, dass das Publikum sich biegen soll vor Lachen. In München war übringens ausverkauft

So, jetzt schnell unter die Dusche, trotz Gewitter habe ich geschwitzt wie blöd weil sich die Hitze in den Innenräumen staut. Dann dürfte gerade Zeit für eine gewisse Mail sein!

LG Birgit
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Re: "Il Dio della Carneficina" - "Der Gott des Gemetzels"

Beitragvon mingi17 » 14. Jan 2009 23:09

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Szenenfotos aus dem "Dio"
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Beitragvon mingi17 » 23. Jan 2009 16:49

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Beitragvon mingi17 » 23. Jan 2009 16:50

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Re: "Il Dio della Carneficina" - "Der Gott des Gemetzels"

Beitragvon mingi17 » 23. Jan 2009 16:53

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Da schaut er zwar etwas belämmert, aber nicht sehr vollgespien aus, das ist aber schon danach! Vielleicht ersparen sie es ihm.

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