Matteo

Als Kauf-DVD im Handel erhältlich. O-Ton italienisch, Untertitel deutsch.

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Re: Matteo

Beitragvon Künstlerin » 13. Mär 2008 13:11

Hallo ihr alle,

nur durch diesen Film bin ich auf das Forum gestoßen. Und es tut richtig gut, zu sehen, dass ihr alle genauso emotional mitgerissen wurdet, wie ich. Es gibt echt viele gute Filme aber dieser ist der beste. Die tragische Rolle des Matteo kaufe ich Alessio Boni ab. Überhaupt kommt der Film ohne aufwendige Specials aus. Ich liebe diese sanfte Melancholie und den trotzdem vorhanden gesunden Mutterwitz. Ich musste an manchen Stellen sogar lachen. Zum Beispiel ganz am Anfang, als sie in diesem Kaffee sitzen und Italien ein Tor von Korea kassiert.
Matteo macht meiner Meinung nach einen Prozess durch, durch seinen hohen Anspruch an sich und andere wird es ihm scheinbar unmöglich, richtige Lebensfreude zu verspüren und vor allem auszuleben. Er wirkt stellenweise depressiv. Während Nicola aus jeder Situation versucht das beste zu machen. Beide Brüder sind für mich Sympatieträger, weil jeder für sich etwas hat, was wir alle kennen, ich möchte behaupten in uns vereinen.
Der Film ist für mich nicht nur eine Abhandlung der italienischen Geschichte der letzten 40 Jahre, er schafft das was kaum ein Film schafft, zu spüren das man lebt. Das es ständig ein Auf und Ab gibt, das wir oft viel leiden, seelischen Schmerz aushalten müssen und dennoch Menschen sind und handeln, kluge oder weniger kluge Entscheidungen treffen müssen und treffen. Manch einer von uns bleibt dabei auf der Strecke. Das tut mir persönlich immer leid. Ich wäre am liebsten in den Film eingestiegen und hätte Mattheo versucht vor dem Tod zu bewahren, ich hätte ihm geflüstert, wie schön das Leben ist und was ihn alles noch erwartet. Aber das geht nun mal nicht. Der Film ist auch sehr lehrreich, er zeigt uns dass man wie Nicola stets kämpfen sollte, auch wenn es manchmal aussichtslos scheint. Man sollte für das, was man glaubt und weiß einstehen. Ich neige manchmal dazu mich von anderen überrumpeln zu lassen. Der Film hat mich auf mein wahres ich, was ich mit 18 oder 20 mal hatte zurückgebracht, ich möchte meinen ich bin moralischer geworden und kann auch mal ganz klar NEIN sagen. es ist ja nicht so, dass diese Elemente ganz aus meinem Leben verschwunden waren, aber mit zunehmendem Alter ist man auch nicht mehr so konfliktwillig.
Matteos Schicksal hat mich im Gedanken bestärkt - alles im Leben ist schön, man darf nur nicht verlernen zu leben und Freude an jedem Tag zu empfinden auch wenn mal alles bescheiden läuft.
Mich würde interessieren, ob auch ihr Parallelen zu Euerem Leben und der beiden Brüder seht.

Herzlichst Künstlerin
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Re: Matteo

Beitragvon Babs » 13. Mär 2008 14:01

Hallo liebe Künstlerin,
ich persönlich muß zu meiner Schande gestehen, daß ich es bisher noch nicht geschafft habe, den mir seit 14 Tagen gehörenden Film komplett zu schauen, da immer irgendwas anderes und meist auch wichtigeres passiert oder ich so müde bin des abends bin, daß mich selbst Matteo/Alessio nicht wach halten könnte. Habe die italienische Version und das erleichtert die Angelegenheit nicht wirklich. Von dem Teil der 1 DVD, den ich bisher sehen konnte, bin ich schwer beeindruckt. Also werde mich um Änderung des Zustandes bemühen und mich dann nochmal zum kompletten Film äußern. Finde jetzt schon, daß du unser Forum bereicherst, danke dafür und grüße Babs
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Re: Matteo

Beitragvon Künstlerin » 13. Mär 2008 15:53

Danke Babs,
ich freue mich sehr über Deine netten Worte und wünsche Dir die Zeit den Rest auch noch zu sehen.

Vom selben Regisseur gibt es dann auch noch den Film 100 Schritte (leider ohne Alessio) .
Den gibt es auch schon synchronisiert.
Auch sehr spannend aber schlecht vergleichbar

Liebe Grüße Künstlerin
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Re: Matteo

Beitragvon Sweety » 13. Mär 2008 16:26

Hi Künstlerin!

Ja, - ich glaube uns ist es allen so gegangen, dass wir am liebsten in den Bildschirm hineingekrochen wären und Matteo an der Hand genommen hätten und ihn aus seinem ganzen depressiven Schlamassel herausgezogen hätten. Das Problem ist aber, dass man selbst erkennen muss, dass man depressiv ist, man glaubt es nicht, wenn es einem die anderen sagen und man lässt sich nicht helfen, erst wenn man selbst kapiert hat was los ist und das wollte er wohl nicht wahrhaben. Er konnte auch - wie so viele Männer - seine Gefühle nicht ausdrücken, ich glaube da haben wir Frauen es leichter, wir haben eine Schwester, eine Freundin, (ein AB-Forum), - irgendjemanden, wo wir uns einfach ausdrücken können, unser Innerstes nach Außen kehren können, aber ich glaube Männer fressen alles in sich hinein (weil sie immer Helden sein wollen - siehe Krieg und Frieden) und dann schaffen sie es oder sie schaffen es nicht, - wie eben Matteo. Außerdem glaube ich, waren seine Ansprüche an sich selbst viel zu hoch, er war ein ewiger Zweifler an sich selbst, er hat nicht gemerkt, dass die anderen ihn eh akzeptieren, nur er sich selbst nicht.
Aber Du kannst uns glauben, - wir haben alle unsere Tränen geweint und waren nach der Eröffnung des Forums froh, dass wir nicht alleine waren mit unserer Trauer um Matteo.


Alles Liebe
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Re: Matteo

Beitragvon mingi17 » 13. Mär 2008 22:29

hallo Künstlerin

ja, man hätte gerne dem Matteo geholfen, bei der Szene mit dem Balkon - um denen, die ihn noch nicht gesehen haben, nicht zu viel zu verraten - blieb mir die Luft weg udn hinterher war mir fast schlecht. Aber der Film ist unheimlich beeindruckend und wirkt nicht gespielt, wenn ihr versteht, was ich meine. Er berührt einen. Und ich finde mich dem Mateo sehr verwandt, habe allerdings dann wie Nicola die Kurve gekriegt.
Und diese Szene am Schluß auf dem Weg, dazu sagt Alessio ja selber was in den Interview. Er wußte erst nicht, was er davon halten sollte, fand es aber dann als versöhnlich. Stimmt.

LG Birgit
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Re: Matteo

Beitragvon Daisy » 23. Mär 2008 15:10

Hey, ihr alle zusammen,

ich belausche euch schon lange heimlich, bin genauso angesteckt wie ihr.
Der Film ist unglaublich, das Beste, was es jemals gab, das pure Leben! Ich habe ihn schon vor Wochen gesehen und er lässt mich einfach nicht los. (Wir haben ihn in einem Rutsch durchgeschaut, fast die ganze Nacht durch und sogar mein Mann hat geweint, sowas habe ich in 15 Jahren noch nicht bei ihm gesehen...)

Für mich ist Matteo die Personifizierung aller, denen man in seinem Leben begegnet, von denen man spürt, da ist eine Leiche im Keller, eine Leiche, die manchmal so groß wird wie ein Monster, daß sie einen auffrisst. Man spürt diese Leiche des anderen, aber man würde sich niemals trauen, sie zu berühren, geschweige denn, dananch zu fragen. Man laviert herum, spricht über Belanglosigkeiten... Ich glaube, so ging es auch Nicola. Der Mensch schlüpft einem durch die Finger und man steht hilflos daneben. Er ist einfach zu schwer, um ihn zu halten...

Meiner Meinung nach ist das, was Alessio (und mit ihm auch seinen Freund Luigi Lo Cascio) so faszinierend macht, daß er diese Rolle verstanden, bis in alle Tiefen gekannt und gefühlt haben muß, um sie so zu spielen. Mit den feinen Nuancen seiner Mimik, seiner Gestik. Manchmal steckt der ganze Abgrund, die Verzweiflung, nur in einem winzigen Anheben seiner Augenbrauen (wir haben einen Beamer und 2,5m Leinwand, welch Genuß...).
Das ist außerordentlich!
Ich frage mich manchmal, ob er die Grenze zwischen Alessio und Matteo noch gekannt hat.
Wenn ich ihn eines fragen könnte, wäre es, wo Alessio war, als Matteo gesprungen ist, und ob er ihn jemals hat loslassen können. Aber diese Frage wäre wohl zu persönlich, und wer offenbart schon gerne seine Leiche?

Das traurige und zu gleich auch irgendwie schöne ist, daß Matteos Sohn Andrea seinen Vater ewig suchen wird, weil er nicht die Chance hatte, ihn kennenzulernen, und er wird bei allen auf die große Liebe stoßen, die sie für Matteo empfanden (die empfindsamen Seelen werden am meisten geliebt, so wohl auch AB) und das ist vielleicht mehr, als er von einem lebenden Vater Matteo bekommen hätte. Das aller schönste ist, daß selbst diese Suche im Film sichtbar ist zwischen Nicola und Andrea, der immer etwas traurig wirkt.
Wirklich ein gewaltiger Film...

Daisy
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Re: Matteo

Beitragvon EBI » 23. Mär 2008 15:16

hi, ich finde diesen film auch einfach wahnsinn, vor allem erkennt man ganz deutlich, dass das kein hollywood film ist, denn die schaffen es nicht, einen film so emotional zu machen, dass er einen nie wieder los lässt!!! ich habe ihn jetzt auch von einigen wochen gesehen und ich komme wirklich nicht mehr davon los! der einzige hollywood film, der bei mir diese wirkung hatte, war philadelphia, aber das hat nach einer zeit nachgelassen und ich schaue mir den film immer wieder an. aber seit ich die besten jahre gesehen habe, traue ich mich gar nicht mehr die dvd nochmal zu gucken, weil ich dann von anfang an nur weinen müsste!!!!!!!
der hätte einen oscar verdient!! obwohl...nein, dafür ist der film viel zu gut!!!!!! :D
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Re: Matteo

Beitragvon kurshuni » 8. Apr 2008 10:06

Ich habe "Die besten Jahre" gestern in einem Ritt gesehen und einen wirklich guten Film erwartet, aber das Werk übertraf alle Erwartungen. Ich bin noch heute völlig gefangen in der Handlung und denke pausenlos über diese Familie nach.
Matteo ist hochbegabt, er durchschaut und hinterfragt Dinge, die andere als gegeben hinnehmen und niemals überdenken. Hochbegabte sind um ein vielfaches sensibler als andere Menschen, sie forschen immer nach den Hintergründen, Erklärungen, überdenken, reflektieren jedes Thema bis ins kleinste Detail und stellen immerfort neue Theorien auf. Ebenso kritisch setzen sie sich mit Ihrer eigenen Person auseinander, sind extrem kritikunfähig, nehmen sehr schwer Lob an und haben nahezu kein Selbstvertrauen. Sie "nerven" ihre Umwelt von Kleinauf mit nicht enden wollenden Fragen und Erklärungen, leben in ihrer eigenen Welt und können oft nicht so handeln wie wir "Normalen". Sie fühlen sich immer als Außenseiter und sind es auch. Aus der permanenten Unsicherheit und Verletzlichkeit resultiert eine ständige Aggressivität und Unnahbarkeit.
Matteo, der in einer intakten Familie aufwächst, ist trotz der großen Liebe und des Zusammenhalts außen vor, das wird schon in der 1. Szene deutlich. Dieser Ausschluß wird von ihm iniziiert, nicht von den anderen. Sie behandeln Mattoe ebenso wie alle anderen Kinder, ohne zu wissen, daß Hochbegabte ganz anders funktionieren und viel mehr Toleranz,Akzeptanz und bedingungslose Liebe brauchen, als die anderen.
In der Prüfung an der Uni(?) merkt er, dass es nicht erwünscht ist, zu hinterfragen und an starren Thesen zu rütteln. Er resigniert und tritt der Polizei bei, als simpler Befehlsempfänger. Eine Position, in der er den Kopf ausschalten kann und nur Order befolgen muß, die andere ihm erteilen. Er muß keine Entscheidungen treffen. Er vertraut seinen eigenen Fähigkeiten und Denkweisen nicht, mit denen er in seinem bisherigen Leben immmer auf Widerstand gestoßen ist.
Den Kameraden und Vorgesetzten ist er intellektuell weit überlegen, eine Tatsache, die er unterschätzt hat. Diese geistige Leere im Beruf füllt er mit seinen Büchern.
Er fühlt sich als Außenseiter, wo immer er auftritt. Deshalb sucht er die Nähe zu Georgia. Sie ist ebenso eine Außenseiterin und unverstanden. Sie hat noch weniger Selbstbewußtsein als er und er fühlt sich erstmals akzeptiert. Er kann ihr helfen, sie braucht ihn, stellt keine Fragen und hat keine Ansprüche an ihn. Sie liebt ihn einfach nur, wie er ist.
Ich finde dire Szene so bezeichnend, als er Georgia mit der Vespa aus der Klinik entführt und ihren Arm fester um seinen Bauch zieht. Bei allen anderen Begegnungen mit Frauen dagegen sieht man ihm sein Unbehagen und den unterdrückten Fluchtreflex an.
Er zieht sich aus der Familie und dem Freundeskreis zurück, denn ihre Themen sind nicht die seinen. Alle heiraten und bekommen Kinder, nur er nicht. Wieder einmal entspricht er nicht den Erwartungen seiner Umwelt, er fühlt sich immer mehr als Versager und möchte sich nicht länger rechtfertigen. Diese letzte "Begegnung" mit dem Vater bestärkt ihn in diesem Gefühl des Versagens nur noch mehr.
Als er Mirella trifft, sieht er sich einer schönen, klugen und selbstbewußten Frau gegenüber. Er glaubt nicht daran, Ihren Erwartungen entsprechen zu können und zieht sich wieder zurück.
Der Silvesterabend tut ihm zunächst gut, er genießt seine Familie und die große Wärme und Herzlichkeit, die dort herrscht. Er strahlt die Kinder an und faßt den Wunsch, sein Leben in Ordnung zu bringen, mit Mirella zu leben, Kinder zu bekommen und neu anzufangen. Aber Mirella ist nicht zu sprechen, seine Wohnung ein düsteres Loch, die Bücher der einzige Ausweg aus seiner ihm intellektuell unterlegenen Umgebung. Er resigniert.
Seine Rückkehr am Ende der Filmes soll meiner Meinung nach zeigen, daß er für sich die richtige Entscheidung getroffen hat, denn er wirkt entspannt und lächelt zufrieden. Er wünscht sich, daß Nicola und Mirella ihren Weg gemeinsam gehen, Andrea in seinem Sinne und dem Herzen der Carati-Familie großziehen und all die Chancen eröffen, die er für sich nicht annehmen konnte.
Es war die ergreifendste Szene im ganzen Film, wunderschön erdacht und umgesetzt!
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Re: Matteo

Beitragvon Avon » 8. Apr 2008 17:19

Es fällt schwer, hier noch etwas anzufügen.... Ich habe für den Film die ganze Nacht gebraucht und war einfach nur ergriffen. Die Szene am Schluss, als Matteo nochmals auftritt, um den Weg zwischen Nicola und Mirella zu ebnen, war für mich als Zuschauer selbst wie eine Befreiung. Wäre Matteo nicht aufgetaucht, wären die Gefühle nicht rübergekommen... sehr sensibel.
Da ich selber einen "besonderen" Sohn habe, werde ich mir diesen Film als Beispiel nehmen.
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Re: Matteo

Beitragvon Sweety » 8. Apr 2008 17:50

Hi Avon!

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Erzähle uns von Deinem "besonderen" Kind. Der liebe Gott hat besondere Mütter ausgesucht, um ihnen besondere Kinder zu schenken. Bitte lass uns an Deinem und an dem Leben von Deinem Sohnemann teilhaben.

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