Pasolini

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Pasolini

Beitragvon mingi17 » 6. Aug 2009 14:58

Hallo Mädels, hallo Daisy,

hier das gewünschte Thema. So intensiv hab ich mich mit ihm noch nicht beschäftigt, aber er scheint sehr interessant zu sein. Vor allem auch diese Freibeuterbriefe. Bei Amazon gibt es in der Tat kaum Gedichte und die Friaulischen erscheinen erst im September 2011 als deutsche Übersetzung.
Kennst Du seine Filme? Die Titel sind mir zwar z.Tl. nicht unbekannt, aber mit Bewußtsein habe ich noch keinen angeschaut.

LG Birgit
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Re: Pasolini

Beitragvon mingi17 » 6. Aug 2009 15:06

Pier Paolo Pasolini (* 5. März 1922 in Bologna; † 2. November 1975 in Ostia) war ein italienischer Filmregisseur, Dichter und Publizist.

Leben :
Kindheit und Jugend
Pasolini wurde 1922 als Sohn des faschistischen Berufsoffiziers Carlo Alberto Pasolini und der Volksschullehrerin Susanna Colussi in Bologna geboren. Prägend wurde für den Jugendlichen das Landstädtchen Casarsa della Delizia, der Wohnort seiner Großeltern mütterlicherseits. Dort verbrachte er die Schulferien und fühlte sich dabei immer mehr in das friaulische Landleben ein. Die Anfänge seiner schriftstellerischen Bemühungen, bereits im Alter von sieben Jahren, gehen auf diese Zeit und Umgebung zurück. Es entstand schon früh ein Lyrikband in friaulischer Sprache (Poesie a Casarsa, 1942), der aber von der faschistischen Zensur unterdrückt wurde.

Ein in Bologna aufgenommenes Studium der Kunstgeschichte bei Roberto Longhi musste er im Zuge des Krieges aufgeben. Dabei lernte er vor allem die Maleriei der italienischen Renaissance kennen, die seine späteren Filmarbeiten stark beeinflussen sollten. Während der Kriegsjahre, als er ständig in Casarsa war, unterrichtete er als Lehrer die Kinder des Ortes in einem eigens dafür dem großelterlichen Haus angefügten Raum. In diese Zeit fällt Pasolinis allmähliche Entdeckung seiner Homosexualität, die er, wie er später berichtete, das erste Mal als Wonnegefühl beim Betrachten der Kniekehlen fußballspielender Jungen spürte. Das Ringen um Beziehungen zu möglichst ungeschlachten, unverbildeten Jungen wurde ihm bei der umgebenden allgemeinen Ächtung der Homosexualität gleichermaßen zu Lust und (Gewissens-)Qual. In Casarsa erfuhren er und seine Mutter, die während des Krieges ebenfalls in den Ort übergesiedelt war, vom Tode ihres Bruders bzw. Sohnes Guido (4. Oktober 1925-7. Februar 1945)[1], der in den Bergen als Partisan gegen das faschistische Regime gekämpft hatte.

Beruflicher Werdegang

Nach Kriegsende erhielt Pasolini in Casarsa eine Stelle als staatlicher Volksschullehrer. Durch seine Bemühungen um einen den Kindern angepassten, in der Methodik häufig unorthodoxen Unterricht erwarb er sich bald im Ort allgemeines Ansehen und Wohlwollen. Gleichzeitig gewann für ihn politisches Engagement immer mehr an Bedeutung. In der Folgezeit schloss er sich der Kommunistischen Partei Italiens (KPI) an. Das öffentliche Bekanntwerden seiner Homosexualität führte aber bald dazu, dass er trotz Petitionen der örtlichen Bevölkerung seines Lehramts enthoben wurde. Die KPI schloss ihn, verbunden mit dem Hinweis auf „...die verderblichen Einflüsse gewisser ideologischer und philosophischer Strömungen der diversen Gide, Sartre und anderer dekadenter Poeten und Literaten, die sich als Progressisten gebärden wollen, in Wirklichkeit aber die schändlichsten Seiten der bürgerlichen Verkommenheit auf sich vereinen...“ aus ihren Reihen aus. Seiner Existenzgrundlagen beraubt, ging er daraufhin mit seiner Mutter nach Rom (1950).

Arbeit als Schriftsteller

Nach anfänglicher Arbeitslosigkeit und mit wachsender Sorge über den sozialen Statusverfall der Mutter konnte er nach und nach durch schlecht entlohnte Lehrtätigkeit und schriftstellerische Gelegenheitsarbeiten (u. a. Mitarbeit an Drehbüchern für Luis Trenker, Mauro Bolognini und Federico Fellini) in Rom Fuß fassen. Erste Kontakte im Intellektuellenmilieu (u. a. zu Laura Betti und Alberto Moravia) bahnten sich an. Dabei fühlte sich Pasolini aber immer dem Milieu der römischen Vorstädte (borgate) verbunden, für dessen kleine Diebe, Strichjungen und Mörder er Sympathie empfand. Starkes, engagiertes Interesse am Aufzeigen und an der Änderung sozialer Missstände verband sich dabei mit der Befriedigung seiner sexuellen Bedürfnisse. Sein Romandebüt Ragazzi di Vita (1955) ist denn auch in diesem Milieu angesiedelt. In für das damalige Italien unerhört realistischer, radikaler Sprache setzte er seinen Vorstadthelden ein Denkmal und entlarvte die Verlogenheit der italienischen Nachkriegsgesellschaft. Neben Anerkennung trug ihm der Roman aber auch schärfste Kritik aus allen politischen und weltanschaulichen Lagern sowie mehrere Prozesse ein.

Eine Variation der sozialkritischen Vorstadtthematik legte er mit Una vita violenta (1959) vor. In jener Zeit verschaffte ihm eine reiche schriftstellerische Arbeit, die auch regelmäßige Kolumnen für linksgerichtete Zeitungen beinhaltete, eine allmähliche Besserung seiner materiellen Lage, die er auch immer im Hinblick auf seine Mutter und seinen aus Kriegsgefangenschaft zurückgekehrten Vater anstrebte.

Entdeckung des Films

Zu Beginn der 1960er Jahre entdeckte Pasolini zunehmend den Film als Medium dichterischer und sozialkritischer Aktivität. Die angestrebte Zusammenarbeit mit der Filmgesellschaft Fellinis scheiterte an Fellinis Ablehnung. Mit Accattone – Wer nie sein Brot mit Tränen aß (1961) und Mamma Roma lieferte Pasolini eine bedeutsame filmische Umsetzung seiner Vorstadtstudien, die ihm zum Teil internationales Lob brachte. In den Filmen setzte er sich besonders mit den Missständen der italienischen Gesellschaft, mit faschistoiden Strukturen und Mechanismen in autoritären Systemen im Allgemeinen sowie mit den Unmöglich-/Möglichkeiten zwischenmenschlicher Beziehungen auseinander. Seine Charaktere sind häufig sozial ausgegrenzt und rebellisch. Durch die Sujets, die technische Ausführung und den Einsatz von Laiendarstellern aus dem geschilderten Milieu erscheinen seine frühen Filme als ein (dabei höchst selbstständiger) Beitrag zum italienischen Neorealismus. Seine Figuren changieren zwischen Profanität und Transzendentalität, bewusst inszeniert Pasolini diese Doppeltheit. So wird beispielsweise Ettore Garofano, der Hauptdarsteller von Mamma Roma am Ende durch eine wiederholende Montage und spezielle Lichtführung zu einer Christusfigur überhöht. Dieses Element zeigt sich besonders deutlich in seinem Film Das 1. Evangelium – Matthäus. Dort ist Jesus ein Heiliger, aber eben auch eine subproletarische Figur. Mit diesem Film setzt auch ein langsamer Wandel in seinem filmischen Werk ein

Spätere Filmarbeiten

Ab Ende der sechziger Jahre setzt ein eindeutiger Wechsel innerhalb seines filmischen Schaffens ein. Das lässt sich zuallererst an dem Figurenpersonal feststellen. Er behandelt nun nicht mehr Geschichten des Subproletariats, sondern verwendet hauptsächlich ein großbürgerliches bis adliges Personal. Zudem arbeitet er sich an den großen Legenden und Mythen des arabischen und abendländischen Kulturraumes ab. Dazu gehören beispielsweise die Verfilmungen der griechischen Mythologie Edipo Re - Bett der Gewalt von 1968 und Medea von 1969/1970. Auch in der Trilogie des Lebens, bestehend aus Erotische Geschichten aus 1001 Nacht, Decameron und Pasolinis tolldreiste Geschichten.

Publizistische Tätigkeit

In seiner reichen publizistischen Aktivität thematisierte Pasolini den Verfall der gesellschaftlichen Strukturen, wie er ihn in der italienischen Gesellschaft der sechziger und siebziger Jahre beobachten konnte. Hauptmerkmal dieses Verfallsprozesses sei das Verschwinden der Kultur des Volkes als Grundlage des gesellschaftlichen Fortschritts und das davon induzierte Fehlen von Werten und Inhalten des menschlichen Zusammenlebens. Auslöser und tragende Kraft dieses Prozesses sei eine neue Form von Faschismus, die – anders als der Faschismus der Vorkriegszeit – von den Individuen verinnerlicht werde und in der Auslöschung des Andersseins und der kulturellen Differenzen seinen Sinn finde. Seine Erscheinungsformen sind für ihn die konformistische Homologation an das Entwicklungsmodell des neuen Kapitalismus und das Auftreten des entsprechenden kleinbürgerlichen Menschentypus als einziges nachahmenswertes Modell. Dieser Faschismus sei ein Phänomen, das alle Teile der Gesellschaft involviere: Davon ausgespart bleibe weder die 68er-Generation noch das Subproletariat des Landes und der Großstädte.

Ermordung Pasolinis

Im November 1975 wurde Pasolini in der Nacht von Allerheiligen auf Allerseelen ermordet. Seine Leiche wurde auf einem Fußballplatz in Ostia gefunden. Pasolini war offenbar mehrfach mit einem Auto überfahren worden. Wegen des Mordes verurteilt wurde der Stricher Pino Pelosi, der die Tat gestand und eine Freiheitsstrafe von neun Jahren verbüßte. 2005 widerrief er sein Geständnis gegenüber Journalisten und erklärte, Unbekannte hätten Pasolini getötet. Pasolini wurde auf dem Friedhof von Casarsa beerdigt.

Der Mord ist bis heute nicht restlos aufgeklärt. Einige Widersprüche in Pelosis Aussagen, Verwicklungen des italienischen Geheimdienstes in die Arbeit der Ermittlungsbehörden und der fehlende Zusammenhang einiger Beweismittel brachten einige der Freunde Pasolinis, darunter die Schauspielerin Laura Betti, zu dem Verdacht, dass es sich um einen Auftragsmord gehandelt habe. Bei der Präsentation einer internationalen Unterschriftenkampagne von 700 Autoren, darunter Andrea Camilleri, Dacia Maraini und Bernard-Henri Lévy wurde vom römischen Bürgermeister Walter Veltroni gefordert, dass die Justiz den Fall neu untersuchen müsse. Roms ehemaliger Kulturdezernent Gianni Bogna wies darauf hin, dass der verurteilte Täter zu häufig seine Angaben geändert habe, um glaubwürdig zu sein. Pelosis Kleidung hätte keine Blutspuren des blutüberströmten Pasolini aufgewiesen. Der im Jahr 2005 verstorbene Schauspieler Sergio Citti hatte 2005 erklärt, dass Pasolini sich am Tage seines Todes bemüht habe, gestohlenes Rohmaterial seines Films Salò oder Die 120 Tage von Sodom zurückzubekommen. Der zu lebenslanger Haft Verurteilte Pelosi gab 2005 an, Pasolini auf Anweisung mehrerer Auftraggeber getötet zu haben. Seine Familie sei mit dem Tode bedroht worden für den Fall, dass er die Auftraggeber bei dem Prozess belaste. [2]

Werke

Filme
* Accattone (Accattone – Wer nie sein Brot mit Tränen aß, 1961)
* Mamma Roma (Mamma Roma, 1962)
* La ricotta (Der Weichkäse: Episode des Films Rogopag, 1962)
* La rabbia (Der Zorn, 1963)
* Comizi d'amore (Gastmahl der Liebe, Dokumentarfilm, 1964)
* Sopralluoghi in Palestina (Ortsbesichtigungen in Palästina, Dokumentarfilm, 1963)
* Il vangelo secondo Matteo (Das 1. Evangelium – Matthäus, Italien/Frankreich 1964)
* Uccellacci e uccellini (Große Vögel, kleine Vögel, 1966)
* La terra vista dalla luna (Die Erde vom Mond gesehen: Episode des Films Le streghe (Hexen von heute), 1967)
* Che cosa sono le nuvole? (Was sind die Wolken: Episode des Films Capriccio all'italiana (Laune auf italienisch), 1968)
* Edipo re (Edipo Re – Bett der Gewalt, 1967)
* Appunti per un film sull'India (Notizen für einen Film über Indien, 1968)
* Teorema (Teorema – Geometrie der Liebe, 1968)
* La sequenza del fiore di carta (Die Geschichte einer Papierblume: Episode des Films Amore e rabbia (Liebe und Zorn), 1969)
* Il porcile (Der Schweinestall, Italien/Frankreich 1969)
* Appunti per un'orestiade africana (Notizen zu einer afrikanischen Orestie, Dokumentarfilm, 1969-73)
* Medea (Medea, Italien/Frankreich/BRD 1969)
* Il Decameron (Decameron, Italien/Frankreich/BRD 1970)
* I racconti di Canterbury (Pasolinis tolldreiste Geschichten, Italien/Frankreich/BRD 1971)
* Il fiore delle mille e una notte (Erotische Geschichten aus 1001 Nacht, Italien/Frankreich 1974)
* Le mura di Sana'a (Die Mauern von Sana'a, Dokumentarfilm, 1971-74)
* Salò o le 120 giornate di Sodoma (Die 120 Tage von Sodom, Italien/Frankreich 1975)

als Schauspieler:

* Requiescant (Mögen Sie in Frieden ruh'n), 1966, von Carlo Lizzani

* Pasolini, Pier Paolo: Der heilige Paulus. Hrsg.: Reinhold Zwick und Dagmar Reichardt. Schüren Verlag: Marburg 2007

Eine kommentierte und mit einem ausführlichem Nachwort versehene deutsche Übersetzung von Pier Paolo Pasolinis Drehbuch zu seinem nicht mehr realisierten Filmprojekt über den heiligen Paulus.

Gedichte (Auswahl)

* Poesie a Casarsa, 1942
* I Pianti, 1946
* Tal còur di un frut (Friaulische Gedichte), 1953
* La meglio gioventù, 1954
* Le ceneri di Gramsci, 1957 (dt.: Gramsci’s Asche, übers. v. Toni u. Sabina Kienlechner, Piper, München 1980)
* L'usignolo della Chiesa Cattolica, 1958 (dt.: Die Nachtigall der katholischen Kirche, übers. v. Toni u. Bettina Kienlechner, Piper, München 1989)
* La religione del mio tempo, 1961
* Poesie in forma di rosa, 1964
* Poesie dimenticate, 1965
* Trasumanar e organizzar, 1971
* La nuova gioventù, 1975
* Le Poesie (Sammelband), 1975
* Poesie e pagine ritrovate (postum, hg. v. A. Zanzotto u. N. Naldini), 1980
* Unter freiem Himmel. Ausgewählte Gedichte, übers. v. Toni u. Sabine Kienlechner, Wagenbach, Berlin 1982

Kritische und politische Schriften

* Passione e ideologia (1948-1958). Saggi, 1960 (dt. in Auswahl: Literatur und Leidenschaft. Über Bücher und Autoren, übers. v. Annette Kopetzki, Wagenbach, Berlin 1989)
* Empirismo eretico, 1972 (dt.: Ketzererfahrungen. Schriften zu Sprache, Literatur und Film, übers., kommentiert und mit einem Nachwort v. Reimar Klein, Hanser, München 1979)
* Scritti corsari, 1975 (dt.: Freibeuterschriften. Aufsätze und Polemiken über die Zerstörung des Einzelnen durch die Konsumgesellschaft, übers. v. Thomas Eisenhardt, Wagenbach, Berlin 1978; siehe auch die Zeitschrift Freibeuter)
* Lettere luterane, 1976 (dt.: Lutherbriefe. Aufsätze, Kritiken, Polemiken, übers. v. Agathe Haag, Folio Verlag, Wien/Bozen 1996)
* Il caos, 1979 (dt.: Chaos. Gegen den Terror, übers. v. Agathe Haag u. Renate Heimbucher, hrsg. v. Agathe Haag, Medusa, Berlin 1981)

Romane und Erzählungen

* Ragazzi di vita, 1955 (dt.: Ragazzi di vita, übers. v. Moshe Kahn, Wagenbach, Berlin 1990)
* Una vita violenta, 1959 (dt.: Vita Violenta, übers. v. Gur Bland, Piper, München 1963)
* Il sogno di una cosa, 1962 (dt.: Der Traum von einer Sache, übers. v. Hans-Otto Dill, Volk und Welt, Berlin [DDR] 1968, Nachdruck Medusa, Berlin [West] 1983)
* Alì dagli occhi azzurri (diverse Erzählungen und Dialoge, darunter die Filmtexte zu Accattone, Mamma Roma und La ricotta), 1965 (dt. Ali mit den blauen Augen, übers. v. Bettina Kienlechner, Piper, München 1990)
* La Divina Mimesis, 1975 (dt.: Barbarische Erinnerungen, übers. v. Maja Pflug, Wagenbach, Berlin 1983)
* Teorema, 1968 (dt.: Teorema oder die nackten Füße, übers. v. Heinz Riedt, Piper, München 1969, Neuausgabe 1980)
* Amado mio, postum 1982 (dt.: Amado Mio. Zwei Romane über die Freundschaft, übers. v. Maja Pflug, Wagenbach, Berlin 1984)
* Petrolio, postum 1992 (dt.: Petrolio, übers. v. Moshe Kahn, Wagenbach, Berlin 1994)
* Storie della città di Dio, posthum 1995 (dt. Geschichten aus der Stadt Gottes, übers. v. Annette Kopetzki, Wagenbach, Berlin 1996)

Theaterstücke
* Affabulazione / Pilade, 1977 (dt. Affabulazione oder Der Königsmord / Pylades, dt. v. Heinz Riedt, Fischer, Frankfurt/M. 1971, TB 1984)
* Porcile / Orgia / Bestia da Stile, 1979 (dt.: Orgie / Der Schweinestall, übers. v. Heinz Riedt, Fischer TB, Frankfurt 1984)

Zeichnungen und Gemälde

* Pier Paolo Pasolini: Zeichnungen und Gemälde, hg. v. Johannes Reiter (Katalog einer Wanderausstellung, mit Texten von Helmut Heissenbüttel, Mario De Micheli, Andrea Zanzotto, Giuseppe Zigaina, Oriana Fallaci, Nicolas Born, Werner Jehle, Luise Rinser, Peter Hamm, Christoph Meckel und Franco Fortini), Balance Rief SA, Basel 1982

Pasolini als Thema der Kunst

Pasolini war lange mit dem österreichischen Maler und Bildhauer Alfred Hrdlicka befreundet. Hrdlicka hat seine Erschütterung über den Mord an Pasolini in zahlreichen eindrucksvollen Lithografien, Gemälden und Plastiken verarbeitet.


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Re: Pasolini

Beitragvon Daisy » 6. Aug 2009 20:29

Danke, Mingi!

Im Interview zur DVD "La meglio gioventu" sagt Luigi, er hätte Pasolini als Vorbereitung für Nicola gelesen. Matteo hätte "eher endzeitstimmliches wie Rimbaud, Baudelaire uns Garcia Lorca" gelesen, sagt Alessio. Über Giordana sagt er, daß er die Zeit vom Mord an Pasolini und Moro miterlebt hätte, was gut für den Film war. Doch es ist ziemlich deutlich, daß auch Alessio damals schon Pasolini ebenso gelesen hatte wie Luigi, und sie in allem wesentlichen einer Meinung sind/waren.

Ich habe bei amazon ein Buch erstanden, in dem ein paar Gedichte sind, friaulisch und deutsch. Bei Gelegenheit werde ich sie einscannen bzw. abschreiben, damit jeder einen kleinen Geschmack davon bekommt. 2011 ist ganz schön lang hin...

Die Filme kenne ich (noch) nicht und muß auch zugeben, daß er mir bisher nur dem Namen nach bekannt war. Ich taste mich langsam heran.

Gruß,
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Re: Pasolini

Beitragvon mingi17 » 6. Aug 2009 21:25

Daisy, auf die Gedichte bin ich schon neugierig.
in Zusammenhang mit der Rolle des Matteo hat er ja auch Thomas Mann gelesen, das erzählt er in einem der neueren Interviews, ich meine in Era glaciale. Irgendwo kommt auch Brecht vor, aber das ist kein Wunder, er ist Theaterschauspieler und als ich gesucht habe, was und wo unser Liebling in der nächsten Saison im Theater spielt, war ich überrascht zu sehen, wie viel deutsche Klassiker bzw. Autoren in Italien gespielt werden. Und was mich des Weiteren fasziniert ist, dass er die deutschen Namen immer korrekt deutsch ausspricht, wo er doch kein Deutsch kann.

Er selber kann ja nicht so viele Erinnerungen an die 70er Jahre haben. Pasolini wurde ja schon 75 ermordet. ich weiß nicht, was Du für ein Jahrgang bist, aber für mich sind diese unruhigen Jahre eine lebhafte Erinnerung. Damals hat es ja überall gebrodelt, bei uns mit der RAF, in Italien die Roten Brigaden, all die politischen Morde, Moro, Herrhausen, Schleyer, dann Mogadischu, die Entführung des Flugzeugs . ich war damals mit dem Studium gerade fertig, das ich während dieser Zeit der 68er und ihrer Nachfolger absolviert hatte, also so mit Grundsatzdiskussionen in Vorlesungen und Seminaren(was früher kaum jemand gewangt hätte), Hörsaalbesetzungen, Aktionen, Sitzstreiks usw. und war Hilfskraft an der Uni. Da war was los. Ich kann mich auch an die Angst erinnern, die wir hatten, weil niemand wußte, wohin der Terror führt. Giordana ist Jahrgang 50, also drei Jahre älter als ich, der dürfte also noch mehr mitbekommen haben. Das nur nebenbei.

So, morgen werde ich mich wieder meinen Luther-Büchern aus dem 16. Jh. und meinem Fundstück, einer seltenen Ausgabe von Corneilles "Cid", widmen.
Noch einen schönen Abend, LG B.
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Re: Pasolini

Beitragvon kurshuni » 30. Sep 2009 11:09

Hier ein paar Fotos von Pier Paolo Pasolini:


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Re: Pasolini

Beitragvon mingi17 » 10. Feb 2010 18:02

Heute Abend um 23.10 in Arte:" Paolinis tolldreiste Geschichte", eine Adaption von Geoffrey Chaucers "Canterbury Tales" (ähnlich Boccaccios "Decamerone" eine Aneinanderreihung von Erzählungen, die eine Gruppe von Reisenden bzw. Pilgern erzählt, um die Zeit zu überbrücken). Pasolini spielt selber mit als Chaucer.

http://de.wikipedia.org/wiki/Pasolinis_ ... eschichten

Wiederholung 26.2. 3 Uhr
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Re: Pasolini

Beitragvon mingi17 » 9. Apr 2010 10:47

am 20 April um 02.20 Uhr läuft in der ARD "Edipo Re - Bett der Gewalt" (mein Gott,immer die blöden deutschen Filmnamen!), die Geschichte des Oedipus.
Vorher läuft der Visconti-Film "Gewalt und Leidenschaft"

Edipo Re: ist eine filmische Interpretation des Dramas König Ödipus des griechischen Tragödiendichters Sophokles.

Handlung [Bearbeiten]

Zwei Ödipus-Figuren, eine zeitgenössische aus dem 20. Jahrhundert und das mythische Vorbild, stehen im Mittelpunkt der Geschichte. In den 1920er-Jahren wird ein kleiner Junge von einer wunderschönen Frau auf einer Wiese gestillt. Sein Vater befürchtet in Gedanken, dass er ihm die Liebe stehlen werde.

Darauf folgt ein Schnitt ins antike Griechenland, wo Laios, der König von Theben, mit der Aussetzung seines kleinen Sohnes verhindern will, dass dieser wie vom Orakel von Delphi prophezeit, ihn töten und mit seiner Frau schlafen wird. Der Junge, Ödipus, wächst beim König von Korinth als dessen Sohn auf und ist über die Prophezeiung empört. Auf seiner Flucht trifft er auf den königlichen Zug des Laios und tötet ihn im Streit, ohne zu wissen, um wen es sich bei dem Getöteten handelt. Als Belohnung für die Tapferkeit im Kampf gegen eine tödliche Sphinx darf Ödipus die Königswitwe Iokaste heiraten. Unbewusst erfüllt sich so das Orakel. Erst durch den blinden Seher Teiresias erfährt Ödipus die Wahrheit über den Zorn der Götter, welche die Pest über Theben geschickt haben. Als die Wahrheit über Ödipus’ Herkunft und seine Ehe mit seiner Mutter ans Licht kommt, nimmt Iokaste sich das Leben, und Ödipus sticht sich die Augen aus. Nur von seinem Diener begleitet, entfernt er sich blind von seinem Palast.

In den 1960er Jahren sitzt ein blinder Ödipus vor der Kathedrale von Bologna und unterhält mit seiner Flöte Passanten. Mit seinem jungen, lebenslustigen Gefährten, der ihn führt, geht er durch das Arbeiterviertel hindurch und erreicht zu Fuß jene Wiese, wo alles begann. Hier findet Ödipus seinen Frieden.
Hintergrund [Bearbeiten]

Edipo Re ist der erste Film Pasolinis, der in der Dritten Welt gedreht wurde. Die Architektur Marokkos und viele Komparsen bei Massenszenen wurden Teil der Poesie des Films. Die Musik nahm zu einem großen Teil Bezug auf afrikanische Rhythmen.

Pasolini sagte über seinen Film: „Als ich den Film machte, hatte ich zwei Ziele: erstens eine vollständig metaphorische und deshalb mythisierte Autobiografie: und zweitens wollte ich sowohl dem Problem der Psychoanalyse als auch dem Problem des Mythos entgegentreten. Aber anstatt den Mythos auf die Psychoanalyse zu projizieren, habe ich erneut die Psychoanalyse auf den Mythos projiziert.“[1]

Auch betont Pasolini, der ebenfalls in Bologna geboren ist, die autobiografische Bedeutung der Ödipusfigur: „Der Vatermord wird im Film stärker herausgestellt als der Inzest. Während ich zu meinem Vater ein rivalisierendes, haßerfülltes Verhältnis hatte und mich daher in der Darstellung dieses Verhältnisses freier fühlte, ist die Liebe zu meiner Mutter latent geblieben. Dies ist der am meisten autobiographische meiner Filme.“[2]
Kritiken [Bearbeiten]

„Pasolini hat das mythische Geschehen in die zeitenfern-archaische Realität der Bauern und Handwerker des unterentwickelten italienischen Südens aufgenommen in Marokko verlegt und den antiken Stoff marxistisch zu aktualisieren versucht. Ein sehens- und diskussionswertes Experiment.“

– Lexikon des internationalen Films

„Eine phantastische Synthese aus Aztekischem, Sumerischem, Schwarzafrikanischem und Vorantik-Griechischem, die im Zusammenspiel mit den wüstenhaften, hitzeflimmernden Ebenen zu Insigniern einer imaginären prähistorischen Zeit verschmelzen.“

– Wolfram Schütte: Hanser Reihe Film, 12 - Pasolini.

http://de.wikipedia.org/wiki/Edipo_Re_% ... der_Gewalt

Was sich bis heute im Allgemeinwissen über Pasolini kongenial konservieren konnte, ist der Ruf des Ultra-Skandalösen. Die Auseinandersetzung mit den Werten des Christentums zieht sich wie ein roter Faden durch Pasolinis Filme. Anders als ihr Ruf sind sie nicht antireligiös, sondern reiben sich an der Institutionalisierung des Glaubens durch Kirche, Staat und Massen. So auch hier:.

Edipo Re: das ist die modernisierte und transzendierte Adaption der Sophokles-Tragödie Ödipus schlechthin. Der tötet unwissend seinen leiblichen Vater, um seine Mutter zu ehelichen und sein eigenes Leben durch seine Suche nach seinen wirklichen Eltern zerstört. Pasolini transportierte diese antike griechische Erzählung in eine archaische nordafrikanische Landschaft und aktualisierte sie. Das dramatische Werk setzt in den dreißiger Jahren unseres Jahrhunderts ein. Der von seinen wahren Eltern als Baby ausgesetzte Ödipus (Franco Citti) beobachtet, wie Laos, ein faschistischer italienischer Offizier, und dessen elegante Gattin Iocaste (Silvana Mangano) an einem Ball teilnehmen. Da Ödipus zur Kaste der Handwerker und Bauern gehört, erhält der Film einen enorm marxistischen Ansatz, bei dem sich das Proletariat gegen die Bourgeoisie auflehnt. „Edipo Re ist Pasolinis poetische Auseinandersetzung mit dem Mythos, mit Jung, Freud und dem kollektiven Unbewußten. Es ist ebenfalls ein Film über das Erkennen der eigenen Persönlichkeit und der Wahrnehmung der Wirklichkeit als eine Gefahr, die einen blendet und am wahren Sehen hindert“, analysierte Daniela Darimont von der Universität Freiburg 1998.

Pasolini eignet sich die Sophokles-Tragödie an, um neue mythische und archaische Bilder zu erfinden. Für den Dreh in Marokko verwendete er «bizarre und befremdliche Gewänder, Kopfbedeckungen, Masken, Waffen und Schmuck; eine für damalige verhältnisse fantastische Synthese aus Aztekischem, Sumerischem, Schwarz-Afrikanischem und Vorantik-Griechischem., angesiedelt im hitzflimmernden Wüstenpanorama einer archaischen Zeit. Von Sophokles ist dabei nur der Handlungsrahmen, kein Text übernommen. worden, um die antike Tragödie aktualisierend das mythische Geschehen in die zeitlos-archaische Realität der Bauern und Handwerker des unterentwickelten italienischen Südens (gedreht in Marokko) zu transferieren, gleichzeitig aber auch damit den „Ur-Stoff“ als klassenkämpferisches Film-Manifest zu verbrämen.

Kein Zweifel, das Produkt ist ein mehr als sehenswertes und diskussionswürdiges Experiment, das Pier Paolo Pasolini wieder einmal als martialischen Film-Avantgardisten fokussiert. Was „Edipo Re“ im besonderen Maße prekär und akut gestaltete sind die Parabeln und Metaphern auf das faschistoide Vorkriegsitalien sowie die 1967 europaweit entfachten Studentenrevolten. ( Jean Lüdeke)

alle Rezensionen von Jean Lüdeke ...


Quelle: Edipo Re - König Ödipus DVD - Kritik - Trailer - Film von www.digitalvd.de
http://www.digitalvd.de/dvds/58533,Edip ... dipus.html
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Re: Pasolini

Beitragvon mingi17 » 25. Apr 2010 21:15

Den "Edipo Re" habe ich mir angeschaut, gewaltige Bilder! Hat mir gut gefallen.
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Re: Pasolini

Beitragvon gaby » 19. Feb 2011 14:53

o e... - Pasolini e la forma della città,Blu notte - Pasolini: morte di un poeta
http://www.rai.tv/dl/RaiTV/programmi/me ... 2.html?p=0
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Re: Pasolini

Beitragvon mingi17 » 22. Apr 2011 08:42

Ist zwar schon sehr knapp, aber wer sich für Pasolini interessiert:
Im BR läuft gleich um 11: 05 "Das 1. Evangelium - Matthäus"



Inhalt
Bibelfilm Das 1. Evangelium - Matthäus

Ein Mann mit Überzeugung, ein Revolutionär, ein Mensch, der für seine Ziele kämpft und schließlich auch dafür stirbt: Das ist Christus in der Verfilmung des Matthäus-Evangeliums von Pier Paolo Pasolini, die alle vorherigen Bibeladaptionen in den Schatten stellte.

Stand: 05.04.2011
Filmszene aus "Das 1. Evangelium - Matthäus" | BR/Telepool

Das Evangelium nach Matthäus und die Lebensgeschichte Jesu bis zu seinem Tod: Josef, der seine schwangere Frau Maria wegschicken will, wird im Traum von einem Engel mitgeteilt, dass seine Frau vom Heiligen Geist einen Sohn empfangen wird, der sein Volk erlösen soll.
Filminfo

Originaltitel: Il Vangelo Secondo Matteo (I, 1964)
Regie: Pier Paolo Pasolini
Darsteller: Enrique Irazoqui, Alfonso Gatto, Giacomo Morante, Margherita Caruso, Susanna Pasolini
Länge: 130 Min.

16:9

Als Jesus in Bethlehem geboren wird, sendet der König Herodes als Kundschafter Magier aus dem Morgenland aus, die dem Kind als König der Juden huldigen wollen. Nach einer Warnung durch einen Engel flieht Josef mit Maria und dem Kind nach Ägypten; Herodes lässt in Bethlehem und der Umgebung alle Kinder unter zwei Jahren ermorden.

In der Wüste von Judäa predigt Jahre später Johannes der Täufer gegen die Pharisäer und kündigt die Ankunft eines neuen Propheten an. Jesus aus Galiläa kommt zu Johannes an den Jordan und lässt sich von ihm taufen.
Filmszene aus "Das 1. Evangelium - Matthäus" | Bild: BR/Telepool

Bildunterschrift: Die Flucht nach Ägypten mit Marcello Morante als Josef und Margherita Caruso als der jungen Maria.

In der Wüste fastet Jesus 40 Tage und Nächte und widersteht den Versuchungen des Teufels. Er wählt Simon Petrus und Andreas zu seinen ersten Jüngern und wandert lehrend und predigend durch Galiläa, heilt Aussätzige, Gelähmte und erweckt sogar ein Mädchen vom Tod. Als Jesus mit seinen Jüngern in Jerusalem einzieht, wird dem Propheten aus Nazareth ein triumphaler Empfang bereitet.

Anknüpfend an seine frühere literarische und filmische Beschäftigung mit dem Subproletariat, den Ärmsten der Armen Italiens, verlegte Pasolini die Schauplätze seines Bibelfilms von Palästina in die Landstriche Apuliens, Lukaniens und Kalabriens. Die Szenen in den süditalienischen Bergdörfern und verfallenen Stauferburgen erinnern an die Passionsdarstellungen italienischer Maler.



Wikipedia schreibt dazu:

Handlung:
Jesus wird als kompromissloser und mit dem damaligen jüdischen Establishment als solchem unversöhnlichen Prediger und Sohn Gottes dargestellt. Den einzelnen Menschen fordert er auf, den guten Weg Gottes zu beschreiten. Das heißt: sanft zu Kindern, Unterprivilegierten und umkehrwilligen Sündern, aber zornig auf die Händler und das religiöse Establishment, v.a. die Pharisäer.
Hintergrund [Bearbeiten]

In dem in Schwarz-Weiß gedrehten Film zeichnet Pasolini das Leben des Jesus von Nazaret, wortgetreu auf dem Matthäus-Evangelium der Bibel basierend nach. Er stellt Jesus, anders als dies in zahlreichen zeitgenössischen vergleichbaren Werken geschah, als realistische und menschliche Figur dar. Das Werk überrascht durch die kompromisslose Umsetzung der biblischen Vorlage, ohne zusätzlich erdachte Personen, Handlungsstränge oder Dialoge, die nicht in der Bibel überliefert sind. Angesichts Pasolinis Homosexualität und seiner kommunistischen und atheistischen Überzeugungen hat dies sowohl in katholischen wie in linken Kreisen Verwunderung hervorgerufen. Er selbst sagte in einem Interview: "Das Evangelium stellte mich vor folgendes Problem: Ich konnte es nicht wie eine klassische Geschichte erzählen, weil ich nicht glaube, sondern Atheist bin. (...) Um das Evangelium erzählen zu können, musste ich mich daher in die Seele eines Gläubigen versenken. Das ist die indirekte freie Rede ("le discours indirect libre"): einerseits ist die Handlung durch meine eigenen Augen gesehen, andererseits durch die Augen eines Gläubigen."[1]

Pasolinis Interpretation des Charakters Jesu Christi passt sich ein in seinen sozialkritischen Stil und seine Vorliebe für unbequeme Menschen abseits des Establishments. In einer Notiz schrieb Pasolini: „Nichts scheint mir gegensätzlicher zur modernen Welt als jene Christusfigur: sanft im Herzen, aber nie im Denken“.

Pasolini legte seinem Drehbuch das Evangelium nach Matthäus zu Grunde und verwendete ausschließlich dort überlieferte wörtliche Zitate. Er verzichtete vollständig auf professionelle Darsteller, alle Mitwirkenden waren Laiendarsteller. Pasolinis Mutter Susanna spielte die Gottesmutter, der damalige Student Giorgio Agamben den Apostel Philippus.

Die Filmmusik wirkt expressionistisch. Es wird ein für die damalige Zeit (1964) ungewöhnlich innovativer Mix verschiedener Stile präsentiert, welcher heute in Großproduktionen üblich ist. Sie ersetzt jedoch nicht, wie in vielen modernen Filmstoffen, Lücken in der Handlungsdramaturgie, sondern ergänzt wirkungsvoll die unspektakuläre Optik und die zumeist sehr sparsame Mimik der (Laien)darsteller.

Der Soundtrack reicht von der Feierlichkeit der Maurerischen Trauermusik Mozarts (für die Erscheinung Christi am Jordan) über russische Volkslieder (für die Szenen der Bergpredigt), das von Odetta Holmes gesungene Spiritual Sometimes I feel like a Motherless Child bis zu den kongolesischen Rhythmen der Missa Luba für die Wunder-Szenen und den Kreuzweg.
Auszeichnungen [Bearbeiten]

Der Film nahm 1964 beim Filmfestival in Venedig am Wettbewerb um den Goldenen Löwen teil. Für seine Regieleistung wurde Pasolini mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet.

Eine besondere Auszeichnung für den bekennenden Homosexuellen und Atheisten Pasolini war der etwa 40 Minuten anhaltende Applaus des vornehmlich aus Bischöfen und weiteren katholischen Geistlichen bestehenden Publikums bei einer Aufführung im Vatikan 1964.

Bei der Oscar-Verleihung im Jahre 1967 war der Film in drei Kategorien nominiert, erhielt jedoch keinen Preis.

* Beste Ausstattung
* Bestes Kostümdesign
* Beste Musik

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Das_1._Eva ... 3_Matth%C3%[album]4[/album]s
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