Alessios Vita -Text von ihm persönlich autorisiert

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Alessios Vita -Text von ihm persönlich autorisiert

Beitragvon mingi17 » 11. Mai 2009 09:23

“During the whole journey nostalgia never did part with me and of this journey nothing is left, if not this nostalgia. – Während der ganzen Reise hat mich die Sehnsucht nie verlassen und von dieser Reise ist nichts übrig als diese Sehnsucht” Nazim Hikmet
(von Alessios Homepage)


Vita Alessiana - Alessios Vita

Eines möchte ich betonen: Alessio betrachtet sein Privatleben als ein Juwel, das im Tresor bleiben soll und nicht der Öffentlichkeit und dem Klatsch preisgegeben werden soll. Das wollen wir immer respektieren. Alle Informationen dieser Vita sind aus Interviews, die Alessio im Fernsehen oder für Zeitungen gegeben hat und der Text ist von ihm persönlich durchgeschaut und genehmigt. Veröffentlichung nur mit meiner Genehmiung, alle Rechte vorbehalten!!!

Alessio Boni wurde am 4. Juli 1966 in Sarnico/Bergamo am Iseosee als zweites Kind von Ignazio (der in diesem Jahr seinen 70. Geburtstag feiert) und Roberta Boni geboren, im Sternzeichen des Krebs und wuchs in Villongo, einem Nachbarort, auf. Sein älterer Bruder Marco ist Fliesenleger wie der Vater( in einem neueren Interview sagte Alessio allerdings, dass er Motocross-Rennen fährt und dass keiner der Söhne dem Vater im Beruf folgte), mittlerweile Pensionär, und fast alle männlichen Familienmitglieder, die Mutter hat daheim die Fliesen verkauft, die sein Vater verlegt hat und hat sich auch um die Rechnungen gekümmert und ist Hausfrau. Anders als der Vater, der außer Haus arbeitete, war sie bei den Kindern und Alessio hat ein gutes, enges Verhältnis zu ihr.. Der jüngerer Bruder, Don Andrea Boni (Jahrgang 1976) ist Priester in Grane bei Sarnico, einem kleinen Dorf in den bergameser Bergen..
Auch Oma Maddalena spielt im Leben des kleine Alessio eine wichtige Rolle.


Alessio folgte zunächst der Familientradition und begann mit 14 beim Vater als Fliesenleger zu arbeiten. Daneben besuchte er am Abend eine Handelsschule. Mit 18 wählte er als Militärdienst den Polizeidienst, wo er in Mailand eingesetzt wurde und in der Kaserne an der Viale Zara stationiert war, einWahl, die ihm bei seiner Rolle als Matteo Carati sehr hilfreich war, da dieser ja ebenfalls Polizist wird. Dort blieb er 1 ½ Jahre. Anschließend, mit 20, da es ihm in seiner Heimat zu eng wurde, ging er nach Amerika, nach San Diego, Kalifornien, offiziell, um Englisch zu lernen – er besuchte Kurse an der University of California -, in Wirklichkeit, um zu träumen, wie er sagt. In einem Interview erzählt er, dass er ankam und kaum mehr von der Sprache konnte als: Ich bin Alessio, ich komme aus Italien(“I am Alessio, I come from Italy“). Um seinen Lebensunterhalt zu verdienen arbeitete er als Zeitungsausträger, Botenjunge, Babysitter und Pizzabote. Da er keine Greencard hatte , war nach 6 Monaten Schluss.

Die Aussicht, nach San Diego, Los Angeles, Las Vegas und New York nach Villongo, einer Ortschaft mit heute ca. 7000 Einwohnern, zurückzukehren, behagte ihm nicht. Statt dessen arbeitete er für zwei Sommer 1987/88 als Animateur auf dem Gargano, in Pugnochiuso/Vieste. Dort stand er erstmalig u.a. als Moderator auf einer Bühne und es gefiel ihm. Ein Kollege erzählte ihm vom „Centro sperimentale di cinematografia“ und beschloss, sich dort für eine Ausbildung zu bewerben. Er schaffte es bis zur 3. Ebene, im Auswahlausschuss war u.a. Giulietta Masina und Luigi Comencini, der sofort am Dialekt (es dauerte dann zwei Jahre, ihn loszuwerden) erkannte, dass Alessio aus Brescia oder Bergamo kommen musste.
Er hatte – ahnungslos wie er war - für das Auswahlgespräch einen Dialog vorbereitet, aber keine Partnerin dabei. Die Prüfer fragten „Dov’é la spalla?“ –was wörtlich heißt: Wo ist die Schulter?, eine Frage, mit der er zu diesem Zeitpunkt nicht viel anfangen konnte, da „Schulter“ für ihn ein Körperteil war, nicht aber ein Dialogpartner. Zum Amusement der Prüfer sprach er beide Rollen mit verstellter Stimme( kleine Kostprobe davon in „Niente di personale“ bei La7 oder in „Era glaciale“).
Er wurde 11., aber nur 10 wurden angenommen. Trotzdem bleib er ohne einen Pfennig Geld in Rom. Er schlief in seinem zerbeulten weißen Fiat Panda, den er für400.000 Lire gekauft hatte und zahlte 50.000 für die Mitgliedschaft in einem Fitnessclub, wohin er auch zum Duschen und Zähneputzen ging. . Ein Besuch mit Freunden im Teatro Sisina, wo er „La Gatta Cenerentola“ des Regisseurs Roberto de Simone sah, begeisterte ihn vollends für den Schauspielberuf , er sagt, es war wie ein Ausbruch eines Vulkans. (Oktober 1988) Er arbeitete als Kellner im Restaurant Lando Fiorini in Trastevere und studierte in der privaten Schule von Alessandro Fersen, dann bei Andres Rallis, und beim zweiten Versuch wurde er von der Akademie (Accademia Nazionale d’Arte Drammatica Silvio D’Amico) genommen. Als er seinem Vater seinen Entschluss, Schauspieler zu werden, mitteilte, sprach dieser ein Jahr lang nicht mehr mit ihm. Wenn er daheim anrief und der Vater abnahm, rief dieser die Mutter herbei mit den Worten „Dein Sohn ist am Telefon“. Mittlerweile, mit dem Erfolg, der sich einstellte, hat der Vater seine Entscheidung akzeptiert und ist stolz auf ihn. Die Mutter hingegen hat ihn immer unterstützt.

Sein Schauspieldiplom hat er 1992 bei Orazio Costa Giovangigli in Taormina erworben; er wählte ein Stück aus Shakespeares Hamlet. Er machte dann einen Fortbildungskurs bei Luca Ronconi und einen weiteren in Theaterschauspiel (recitazione teatrale) in Los Angeles. Er spielte u.a. unter Peter Stein (Shakespeares Sommernachtstraum) und Giorgio Strehler ( Der Geizige von Molière. Auch in Opern spielte er, u.a. unter Riccardo Muti.

Nicht immer führte der Weg steil bergauf. In einem Interview erzählt er, dass er nach dem Erfolg mit dem „Geizigen“ unter Strehler um Verlängerung seines Engagements bat. Da Strehler mittlerweile verstorben war, wurde das abgelehnt was Alessio für 11 Monate Depression und totalen Stillstand brachte. Als er die Miete nicht mehr zahlen konnte, arbeitete er als Pony Express (Bote) und zwar in Verkleidung, weil niemand ihn erkennen sollte. Dann brachten Probeaufnahmen mit Carlo Lizzani den Erfolg und wieder eine Rolle.
Er scheute sich aber auch nicht, Geld mit Fotoromanzi zu verdienen, was übrigens auch Sofia Loren oder Marcello Mastroianni gemacht hatten. Nach 7 Jahren Theater kamen 1996 Film und Fernsehen, seine erste Rolle in „ Un prete tra noi“. Seinen weiteren Weg zum Erfolg mit „Donna del Treno“ und „Incantesimo 3“(2000) kennen wir, weiter Einzelheiten findet ihr in seinem Curriculum auf der Homepage.

Er nennt als die drei Fixpunkte seiner Schauspielkunst, also als Vorbilder Vittorio Gassmann, Gian Maria Volonté und Marcello Mastroianni. Als beste Schauspieler bezeichnet er Mariangela Melato und Sergio Castellitto, aus seiner Generation Luigi Lo Cascio, Pierfrancesco Favino und Fabrizio Gifuni, mit denen seit der gemeinsamen Ausbildung befreundete ist . Als sie auf einem Schiff auf dem Tiber die Auszeichnung Luigi Lo Cascios mit dem David di Donatello für „I cento passi“ feierten, traf er mit Marco Tullio Giordana zusammen, der ihn dann später für „Meglio Giovenù“ engagierte, eine überaus wichtige Begegnung. Gerne gearbeitet hätte er mit dem inzwischen verstorbenen Regisseur Sidney Pollak . Einem gemeinsamen Dreh mit dem irischen Schauspieler Daniel Day-Lewis wäre er auch nicht abgeneigt.


Alessio ist seit 6 Jahren mit Bianca zusammen. Sie ist Drehbuchautorin. Es ist eine ernste, stille Liebe „un amore sereno, tranquillo“. Sie haben sich getroffen an einem schönen Sommerabend in einem schönen Garten. Liebe auf den ersten Blick war es nicht, eher ein langsam wachsendes Interesse. Mit ihr zu sein sei schön, fröhlich und beruhigend. Sie baut ihn auf und hat sehr viel Geduld, denn mit einem Schauspieler zu leben sei nicht leicht. Mit ihr möchte er sein Leben teilen.(Anm. d. Verf.: die Beziehung ist leider mitterweile beendet/Sept. 2010) Heiraten will er nicht. Er sagt, dass es für eine große Liebe nicht nötig ist, ein gesetzliches Papier zu haben. „Was hat ein Vertrag mit Liebe zu tun?“ Er will nicht, dass der Staat sich in seine allerprivatesten Dinge einmischt. Eine religiöse Zeremonie, die sein Bruder Andrea dann leiten sollte, kann er sich aber vorstellen.

Heute lebt er teilweise in Rom, wo er eine Mietwohnung in der Altstadt in der Nähe der Piazza Navona hat und in seinem Bauernhaus in der Toskana, in der Nähe von Arezzo. Diesen hat er vier Jahre lang ausgebaut. Dort hat er 90 Olivenbäume und liebt es, selber sein Land zu kultivieren, zu pflanzen und zu bearbeiten. Dorthin zieht er sich zurück, um sich zu erholen, um zu lesen und zu schreiben.

Alessio kennt den Wert der Arbeit und des Geldes, für einen Quadratmeter Fliesen hat er beim Vater 7000 Lire verdient. Er geht lieber in ein einfaches Restaurant als in ein Nobellokal und zieht einen Abend mit Freunden einer großen Party vor. Er sagt, dass er sich auf Parties eher langweilt und auch nicht in Diskotheken gehen mag. Lieber geht er ins Pub mit Freunden, von denen er relativ wenige hat, nicht nur im Showbiz, sondern auch im Privatleben, er sagt, ca. 7, u.a. Luigi Lo Cascio und Fabrizio Gifuni.

Er fährt gerne Motorrad. Mit seiner Honda CRF 450 X fährt er zu Freunden in der Nähe des Lago del Turano, um dort Motocross zu fahren. Oder er macht Touren in Libyen, Tunesien oder Marokko und genießt die absolute Stille, die es dort in der Nacht gibt.


Seine musikalischen Vorlieben: die Eagles, Pink Floyd, Springsteen, ihm gefällt besonders „Breakfast in America“ von Supertramp (s. „Effetto Sabato“), von den Italienern mag er Battiato, Mina, Gaber, De André, er liebt Jazz, aber mehr und mehr wendet er sich der Klassik zu, Bach, Monteverdi, Chopin, die 2. Sonate von Rachmaninov. Und wenn er niedergeschlagen ist, dann hört er das „Requiem“ von Mozart, das hat die Kraft, ihn wieder hochzuziehen. Er hat mit 14 selber ein bisschen klassische Gitarre gelernt, aber fast alles wieder vergessen.

Er fährt sein seinem 6. Lebensjahr Ski, reitet und schwimmt gern.
Im Fußball gehört seine Sympathie Atalanta Bergamo.

Er schaut sich „X-Faktor“ im Fernsehen an
Er mag Artischocken.
Es gibt Bilder, die ihn mit Brille zeigen; die braucht er, weil er einen Astigmatismus hat (Hornhautverkrümmung)

Im Urlaub macht er gerne weite Reisen, weil ihn alles Neue, Fremde interessiert. Kuba und Patagonien gehörten schon zu seinen Zielen.

Alessio ist Unicef-Botschafter . Dieses Anliegen ist ihm wirklich wichtig und er hat unser „Geschenk“, eine Spende an Unicef, als das schönste Geschenk bezeichnet, das man ihm machen kann, denn er hätte alles, aber die Kinder brauchen dringend jeden Euro. Er setzt sich auch sonst für benachteiligte Menschen oder solche, die Hilfe brauchen, ein. Auch bei der großen Aktion gegen Pädophilie ist er dabei.

Seit einigen Jahren setzt er sich für die in Bergamo ansässige Organisation CESVI ein, eine NGO, die sich u.a. der Bekämpfung von Aids bei Kindern in Entwicklungsländern widmet; für sie hat er REisen nach Zimbabwe und Myanmar unternommen.

To be continued - Fortsetzung folgt

Copyright by Birgit Rosen, Veröffentlichung nur mit meiner Genehmigung.
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Re: Alessios "Lebensreise" - Text von ihm autorisiert

Beitragvon mingi17 » 14. Mai 2009 16:08

Hier noch ein wenig Bildmaterial zur Ergänzung:

Alessio Kinderfoto groß komp.JPG
Alessio Kinderfoto groß komp.JPG (14.42 KiB) 11519-mal betrachtet


Alessio mit Vater komp.JPG
Alessio mit Vater komp.JPG (19.25 KiB) 11210-mal betrachtet


Bild

Don Andrea Boni, geb.8.6.76, zum Priester geweiht 2.6. 2001

Es gibt noch ein Bild des Vaters:
http://www.araberara.it/araberara/archi ... /24-25.pdf
Es ist das Bild unten links, leider kann ich pdf nicht reinstellen.

Caty hat das obige Schwarz-Weiß-Bild auch in besserer Qualität:
Bild
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Re: Alessios "Lebensreise" - Text von ihm autorisiert

Beitragvon mingi17 » 17. Mai 2009 16:51

Ergänzungen zur Vita:

Zur Beteiligung Alessios an den Opern und der Zusammmenarbeit mit Muti (für die, die in der Welt der klass. Musik nicht so daheim sind: weltbekannter Dirigent, z.Zt. musik. Leiter der Mailänder Scala): auf meine Frage, welcher Art seine Tätigkeit auf der Opernbühne war und ob er auch singen mußte - im Puccini gibt es Beispiele seiner "Sangeskunst" ;) , ein Opernsänger ist er eben nicht gerade - antwortete Alessio, dass das ein kleiner Sprechgesang gewesen sei.
Bei dieser Gelegenheit erkläre er auch, wieso er sein Diplom in Taromina erhalten hatte: die Ausbildung war in Rom gewesen, nur die Abschlussveranstaltungen waren dann für 3 Tage in Taormina.

Nicht autorisiert, aber aus seinem neuesten Interview in "Era glaciale": er berichtet dort von der unbeschwerten Kindheit in Villongo, wo sie im Freien spielen konnten und mit Seilen an den Bäumen schaukeln und klettern. Er hat sich wohl oft unter der Obhut der Großmutter Maddalena befunden und wenn er keine Lust auf Schule hatte, ist er mit dem Boot auf den Iseosee rausgefahren.

Auf eine Frage der Reporterin, welchen Beruf er denn gerne gewählt hätte, wenn das mit dem Schauspieler nicht geklappt hätte, sagte er: Pschologe (den spielt er ja auch gern) oder Arzt, so in Richtung Orthopädie o.ä.
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Re: Alessios "Lebensreise", seine Vita, Text von ihm autorisiert

Beitragvon mingi17 » 10. Sep 2009 22:26

Hier ein Text aus dem "Corriere della Sera", dessen italienisches Original unter "Neue Berichterstattung" steht, in dem Alessio noch einige Einzelheiten zu seiner Vita erzählt, darum habe ich ihn in Übersetzung, von der ich hoffe, dass sie einigermaßen richtig ist, hier hereinnehme.

Ich verlor alles in Las Vegas und fing im Sistina wieder an

Eine schwarze Nacht im Casino, der Ende des amerikanischen Traums. An einem Abend schleppen mich die Freunde mit, um „La gatta Cenerentola“ anzuschauen. Ich sagte: das ist es, was ich machen will.

„Um 7 Uhr früh verlasse ich Las Vegas mit einem Dollar in der Tasche. Die letzten 100 habe ich dort am Black Jack-Tisch des Caesars Palace verloren. Ich kann mir kein Zimmer leisten. Zum Essen einige an der Bartheke geklaute Kartoffelchips. Ich trinke an den Armaturen im Bad. Ich bin 20 Jahre alt und fühle, dass mein Leben nach diesem amerikanischen Sommer anders sein wird, es ist es bereits. Ich bin nicht mehr der Junge aus Villongo, Provinz Bergamo, der stundenlang unter der Trauerweide saß, auf der silbernen Vespa fuhr und dachte, dass das hier doch nicht die ganze Welt sein kann.“ Es war der 2. September 1987, Alessio Boni ist auf dem Rückflug via New York „und zum Glück hatte ich das Flugticket im Voraus bezahlt. Vor lauter Hunger schien mir sogar das gefrorene Hühnchen auf dem Tablett gut, vor dem mich immer ekelte. Sechs Monate vorher war Alessio Boni Polizist „Dritte Abteilung der Bereitschaftspolizei der viale Zara, Mailand. Zuerst war ich Fliesenleger in Bergamo, wie Papa Ignazio, mein Bruder, mein Onkel und mein Cousin. Von 14 – 18 Jahren wecken um 6.30 Uhr, Fliesen, zum Mittagessen belegte Brote, Fliesen, Duschen, von 18 – 23 Uhr Abendkurs in Buchführung, Diplom mit knappen 40 von 60. Genug. Ich bewerbe mich bei den Carbinieri,der Steuerfahndung, der Polizei und den Paras, nicht bei den Gebirgsjägern, denn die zahlen nicht. Sie beriefen mich in die Ps. Manganello, Schlagstöcke, Schild, Ordnungsdienst im Stadion , wie dumm, ich träumte Serpico zu sein. (Anm. von Übers: Serpico war ein New Yorker Polizist, der als erster gegen die Korruption vorging, im Film gespielt von Al Pacino). Ich lernte mit einer 92er Parabellum zu schießen und das Ziel gut zu treffen. Als erster im Kurs unter 1.200 zeichnete mich der Präfekt von Mailand aus.“Aber es ist nichts für ihn. „ Nach eineinhalb Jahren konnte ich nicht mehr. Ich entscheide mich, alles hinzuschmeißen: ich lasse alles hinter mir und gehen nach Amerika. Ich hatte 12 Millionen Lire auf der hohen Kante.“ Es sollte eine Studienreise von 3 Monaten sein, um Englisch zu lernen. „ Ich ging mit meinem Freund Robert und dem Mythos voon Kalofornien. Erste Etappe New York, dann Miami und am Ende San Diego.“ Das willkommen am Flughafen-.“Ich musste dort hingehen, um Tomiko zu treffen, eine Japanerin, bei der wir zu Gast sein sollten. Ich schaute intensiv jede Frau an, die kam um zu sehen ob sie es seil Vielleicht haben sich einige geärgert. Denn ich fühlte mich plötzlich an der Schulter gepackt. Zwei Schläger führten mich in ein Zimmer und begannen, mich zu befragen. Sie schrieen und ich verstand nichts. Ich konnte nur sagen „Ich bin Alessio“ und „Ich komme aus Italien“. Ich konnte ein Telfongespräch führen, wenn ich wollte, wie im Film. Sie hielten mich für einen Verrückten.“ Viele Minuten und viele Erklärungen später wird Alessio freigelassen „wie ein gewöhnlicher italienischer Papagallo.“ 5 Stunden Unterricht pro Tag brachten einige Verbesserungen. Das Englische machte weitere Fortschritte nach der Begegnung mit Mindee. „ Ein wunderschönes amerikanisches Model, Vater Indianer, Mutter Deutsche.“ Alessio verlässt Roberto und die Pension von Mrs. Tomiko. „ Es dauerte drei Monate. Sie verließ mich an einem beliebigen Morgen. Sorry, ich hab was mit einem Zahnarzt angefangen.“ Ohne Wohnung, mit wenig Geld, allein, weil Roberto nach Italien zurückgekehrt war. „um meinen Lebensunterhalt zu verdienen, arbeitete ich als Kellner in einem italienischen Restaurant in La Jolla, als Zeitungsjunge, der die mit Gummiband zusammengehaltenen Zeitungen von Tür zu Tür liefert und auch als Babysitter bei zwei Kindern, die die Pest waren.“ Aber damit nicht genug. „ Und nun hier an diesem Morgen, beim Verlassen von Las Vegas, ärger pleite als je zuvor: „Den Dollar habe ich als Erinnerung behalten“. Rückkehr nach Villongo. „ Ich verbrachte einen Monat eingeschlossen im Haus. Papa ist sauer, weil ich nicht länger Fliesenleger sein will.“ Amerika ist ein Horizont, der sich nicht einschränkt. „ ich beginne neu im Dorf Valtur. Wir zeigten schreckliche Theaterstückchen, aber die Proben gefielen mir. Lamberto, der Chefanimateur, empfahl mir das Centro sperimentale die Cinematogarfia, aber ich hatte keine Ahnung was ich machen sollte. BeimVorsprechen waren Comencini, Bolognini und die Masina. Ich sagte „Buongiorno“, „ Bist du aus Bergamo oder aus Brescia?“, fragte mich sofort Comencini. Ich trug einen Dialog vor, ich hatte keine „Schulter“ (Dialogpartner), ich machte sie und ihn, die sich auf einer Bank stritten. Ich wurde 11., aber sie nahmen nur 10. „Gut das nächste. „ An einem Abend 1988 schleppten mich Freunde ins Teatro Sistina in Rom zu „ La gatta Cenerentola“ von De Simone. Ich dachte, es würde langweilig, drei Stunden zu sitzen. Dort habe ich mich ins Theater verliebt: Wow, das ist es, was ich machen will!“ Alessio studierte bei Alessandro Fersen. Das Geld ist wie immer knapp. Tagsüber lernt er in der Schule/Sporthalle, am Abend ist er Kellner im Puff di LADRO Fiorini; „für mich wie ein zweiter Vater“. Er teilt ein Zimmer mit 4 anderen Jungen:“ Ein Tänzer, ein Sänger, ein Schauspieler und ein Student, ich deklamierte die Klassiker mit einem Bleistift im Mund, um den bergamaskischen Dialekt zu korrigieren. Hei, hab ich ihn weggebracht?“ Er ist 22. Ein weiterer Versuch an der Accademia d’Arte Drammatica“. „Wenn sie mich nehmen, gut, wenn nicht, gebe ich auf.“ Er wird genommen. Unterricht bei Orazio Costa. Valeria Moriconi, schließlich Strehler. Ins Fernsehen kommt er 1999 mit „La donna del treno“ von Lizzani. Einige Fotoromanzen. Dann Incantesimo, Alessio ist ein Sexsymbol. „ Man bot mir einen Kalender an, ich habe abgelehnt, es war eine Menge Geld“. Ausgezeichenet: 2003 „La meglio gioventù“ in Cannes. Der junge, der die Fliesen haßte, quält sich für Fiktion und Liebe in Rebecca, Sturmhöhe („Dort hat mich vor allem die Kälte gequält, wir drehten in Deutschland und Polen, bei Tagesbeginn, im Januar), Krieg und Frieden, Caravaggio und Puccini. Nun endlich macht er was zum Lachen. Er ist hierin Nerpi, in der Nähe von Viterbo, und dreht Tutti pazzi per amore 2 von Riccardo Milani, geschrieben von Ivan Cotroneo. „ ich bin Adriano, Freizeit-Ornithologe, der nur von Kohlmeisen und Drosseln spricht und der wegen der Hochzeit des Bruders neri Marcorè herunter in die Stadt gekommen ist.“Eine weiße Brille, eine Truhe voll Reichtümer,(cofana di ricci???) , hässlich, dass es quasi ein Sakrileg ist. In einer Kassette hat er noch einige zerknautschte Dollar.
WIEDERGABE VERTRAULICH Die Karteikarte: Name: Alessio, Nachname: Boni, Alter 43, Geburtsort und Wohnsitz: geboren in Sarnico/Bergamo, er lebt in Rom. Familienstand: ledig, Fremdsprachen: Englisch, Französisch und Latein. Letzte besuchte Ausstellung: die Galleria Borghese, letzte Reise: nach Patagonien. Das Buch, das er empfiehlt: „Schuld und Sühne“ von Fjodor Dostojewski. Letztes Lied, das er auf den Ipod runtergeladen hat: „La notte“ von Adamo, Das Essen, das er am besten kochen kann: Risotto alla milanese. Das Projekt, an dem er gerade arbeitet „Tutti pazzi per amore 2“ von Riccardo Milani, in diesen Tagen in Arbeit in Viterbo. Der Traum den er realisieren möchte: einen Sohn haben.
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Re: Alessios "Lebensreise", seine Vita, Text von ihm autorisiert

Beitragvon mingi17 » 17. Jan 2010 09:58

Hier ein weiteres Interview aus dem Corriere della sera vom 16.1.2010 mit weiteren interessanten Infos, die die Vita ergänzen, it. Text unter "Neue Aritkel" S. 18

Das gefällt mir

von Elvira Serra
Alessio Boni und die Poesie von „Gran Torino'“

Alessio Boni, Schauspieler. Mit welchem Buch sind Sie am meisten verbunden?

Ich bin sehr stolz auf eine „Geschichte des Theaters“ aus dem Ende des 17. Jahrhunderts, die ich auf dem Antiquariatsmarkt in Arezzo aufgestöbert habe. Es sind 4 Bände, von denen bei 3 die Blätter noch mit dem Brieföffner aufgeschnitten werden müssen. Es ist aufregend, der erste zu sein, der das macht.

Und was lesen Sie jetzt gerade?
Ich habe gerade angefangen mit „L'anno dell'uragano“ (Jahr des Sturms, könnte "Sturmwarnung" sein) von Joe Landsdale. Das hat mir Saverio Guarna empfohlen, der Bildregisseur, während wir zusammmenarbeiteten. Mich hat ein Satz auf der vierten Seite beeindruckt. Das Schönste, was über mich geschrieben wurde hat Niccolò Ammaniti geschieben: Ein Analphabet könnte nur wegen meiner Geschichten lesen lernen.“ Ich kenne Niccolò, ich vertraue ihm.

Die letzte CD- Erwerbung?
„if“ von Mario Biondi; er ist ein Künsteler, den ich sehr schätze.

Welchen musikalischen Richtungen haben Sie?
Ich bin Allesfresser. Auf meinem iPod leben vereint die Notturni von Chopin mit den Platten von chet Baker, von U2 und von Damien Rice.

Ihr Lieblingslied?
„Breakfast in America“ von Supertramp

Was haben Sie kürzlich im Kino gesehen?
„L'uomo nero“ (Der schwarze Mann/Mensch) von Sergio Rubini. Ein Abriss der 60er Jahre in Apulien durch Augen eines Kindes gesehen.

Der schönste Film?
An die erste Stelle setze ich „Gran Torino“ von Clint Eastwood. Das Finale ist herrlich, es ist eine Geschichte, die dich packt wie Rachmaninov, zum Dahinschmelzen. Mit Eastwood würde ich sofort arbeiten, wer eine Poesie so ausdrückt, wie es ihm gelingt, ist wahrhaftig ein Mensch.

Die Ausstellung?
Ich empfehle allen die von „Boldini und die Italiener in Paris“, im Chiostro del Bramante in Rom. Sie endet Mitte März.
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Re: Über Alessio - Text von ihm persönlich autorisiert

Beitragvon mingi17 » 10. Sep 2010 18:51

Ergänzung:

Die in der Vita angesprochene Beziehung zu Bianca wurde irgendwann im Lauf des Jahres 2009 beendet. Zur Zeit, als mir Alessio die Vita genehmigt hat, war sie wohl noch aktuell, im Herbst noch hat er ein Bild, das sie gemeinsam zeigt, in seine Homepage gestellt. Vor einigen Wochen sprach er erstmals in einem Interview davon, dass er verliebt sei, vor einigen Tagen gab es auch Bilder der neuen Frau an seiner Seite; es ist allerdings noch nichts Näheres über sie bekannt, auch der Name nicht. Ich hoffe, dass ich irgendwann von "offizieller"Seite was erfahre.

Ergänzung März 2012: die Frau an Alessios Seite ist seit einiger Zeit ganz offiziell Francesca, Bilder der beiden findet ihr in der Fotoabteilung.
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Re: Über Alessio - Text von ihm persönlich autorisiert

Beitragvon mingi17 » 25. Sep 2010 09:33

Da dieses Interview, dessen Original (leider noch nicht das ganze, ich hoffe, wir kriegen es noch) unter Rassegna stampa zu finden ist, wieder einige Infos über unseren Buben enthält, habe ich es in der deutschen Version auch hier herein genommen.

Ich liebe die Einfachheit

Eine Fahrt mit dem Motorrad, Schwimmen im Swimmingpool, die Polenta von Mamma: das ist, was der toskanische Schauspieler mag. Und er zieht die Olivenernte dem Präsentieren auf dem Roten Teppich vor.

Im Theater werden Sie in "Art" über Gemälde diskutieren. Welches Meisterwerk berührt Sie am meisten?
Im Stück von YR dreht sich alles um ein abstraktes Gemälde, während mein Lieblingsbild "David mit dem Haupt von Goliath" von Caravaggio ist. Ich habe es seit meinem ersten Besuch in der Galleria Borghese in Rom geliebt, mit seinen Anspielungen auf den Heiligen Augustin (Demut besiegt den Stolz). Die Tatsache, dass ich dann den Künstler in einem Spielfilm verkörpert habe, ist nur ein interessanter Zufall.

Ein täglicher Ritus?
Eine schöne Runde zu schwimmen kaum dass ich aufgewacht bin, sooft als möglich. Im Sommer ist es einfach: in meinem "buen retiro" in der Toskana gibt es ein Schwimmbecken. Und ich habe ein Abendritual: vor dem Einschlafen lese ich ein Gedicht. Zur Zeit habe ich ein Buch von Fernando Pessoa auf dem Nachttisch. Lieblingsessen? Gefülltes Hähnchen mit Buchweizen-Käse-Polenta von Mamma Roberta. Aber als Koch habe ich das übernommen. Meine Spezialität sind Risotti.

Leidenschaften?
Zweifelsohne das Motorrad. Ich habe eine Kawasaki. Darauf zu fahren entspannt mich und macht den Geist frei.

Wie bewältigen Sie körperliche Arbeit?
Ausgesprochen gut. Von kleinen Reparaturarbeiten am Haus bis zur Olivenernte ( auf dem Land habe ich 120 Bäume). Das Merkwürdige ist aber, dass das nicht auf meine Herkunft zurückgeht (Papa ist Bauunternehmer und bis zu meinem 16. Lebensjahr habe ich als Fliesenleger bei ihm gearbeitet), sondern auf meinen Lehrer an der Akademie Orazio Costa, der ein Theoretiker des "Machens" war.

Herrenfrisör oder Friseurin?
Nun, in der Regel machen sie mir die Haare auf dem Set, aber wenn ich selber wählen kann, Herrenfrisör, nichts anderes.

Die Lieblingsstadt?
Rom! Ja, es ist chaotisch, aber es hat unvergleichliche Denkmäler und ein unvergleichliches Licht. Auch wenn ich jetzt in ein Landhaus in der Provinz Arezzo umgezogen bin, habe ich meine Zweitwohnung in der Nähe des Pantheon nicht aufgegeben.

Welches Buch lesen Sie gerade?
"39 Dolchstiche" von Giacomo Battiato ( vielleicht besser bekannt als Regisseur). Die Geschichte eines Mordes spielt im 19. Jahrhundert in Sizilien, eine Gegend die ich liebe und gut kenne. Ich habe dort einen Film gedreht und besuche oft Luigi (Lo Cascio)in Palermo.

Nie ohne...??
Einen Kaschmirpullover. Sei es in der Stadt ( mit den Klimaanlagen ist heute nicht zu spaßen), sei es auf dem Motorrad oder auf dem Schiff. Er paßt bestens zu meinem üblichen Look: Jeans, Hemd und Lederjacke.

Welches Auto fahren Sie?
Einen gebrauchten BMW X3 . Ich habe noch nie ein Auto gekauft, das nicht gebraucht war. Mein "historisches" Auto war ein Panda: als ich nach Rom kam, um die Prüfungen für das Centro Cinematografico zu versuchen, schlief ich darin, um zu sparen. Ich hatte mich bei einem Sportstudio angemeldet, so konnte ich mich dort duschen.

Welches Geschenk haben Sie zuletzt gemacht? Einen Kühlschrank. Ich habe ihn für eine Person gekauft, die umgezogen ist und keinen hatte....ich gebe es zu: er war für meine neue Freundin. Aber ich sage kein Wort mehr über sie: sie erscheint nicht in der Welt des Showbusiness und hat ein Recht auf Anonymität.

..............

Werden wir Sie noch einmal mit der Brille des zerstreuten Ornithologen in TPPA 3 sehen?

Nein, die Figur ist ausgeschöpft. Es hat mir Spaß gemacht, solange er die Masse an Haaren hatte, jetzt ist er mir zu ähnlich geworden. Wiederholungen interessieren mich nicht, ich möchte mit jeder Rolle das Neue erkunden. Wie in dem Kurzfilm von Michela Cescon ("Wie ein Hauch"), der kürzlich in Venedig vorgestellt wurde.

Eine Sache, die Ihr Leben verändert hat?

Eine Theatervorstellung, La Gatta Cenerentola von RS. Ich habe sie in Rom gesehen, am gleichen Tag, an dem ich beim Zugangsexamen zum Centro abgewiesen wurde. Ich war 21 und war schon bereit, diesenBeruf aufzugeben, aber La Gatta hat mir die Sicherheit gegeben: Theaterspielen ist das, was ich in meinem Leben machen will.

Die Schulter zum Ausweinen?
Die meiner Mutter: sie ist der Mensch, der mich am besten kennt und mir immer einen Rat weiß. Wir sehen uns nicht oft und es kann schon auch eine Woche zwischen einem Anruf und dem nächsten vergehen, aber sie ist meine Bezugsperson. Die Brüder (einer, Andrea, ist Priester) un die Freunde kommen danach.
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Re: Alles über Alessio-Text von ihm pers. autorisiert

Beitragvon mingi17 » 17. Feb 2011 18:00

Das Restaurant unten im Haus, zwei Schritte vom Pantheon entfernt, ist sein Salon. Das echte Heim hingegen ist eine Zweizimmerwohnung im letzten Stockwerk, die ihn seit 12 Jahren beherbergt wie ein Nest. Alessio Boni, Schauspieler, 44jähriger mit blauen Augen, denkt nicht wirklich daran, sich eine größere Wohung zu nehmen:“ Ich sehe nicht ein, warum ich umziehen sollte, nachdem ich jahrelang herumgezogen bin, habe ich dieses Refugium gefunden und ich kann mir keinen anderen Ort vorstellen, außerdem bin ich immer außer Haus um zu arbeiten und wenn ich jemanden treffen muss, dann geht das ausgezeichnet in diesem Restaurant. Falls überhaupt, hat er andere Wünsche: „Mein Fieber ist, ein besserer Mensch zu werden als der, der ich heute bin.“ Er kommt außer Atem an, Jacke über den Schultern, nachtblaues Hemd, die Kellner nennen ihn Alessio, sie begrüßen ihn wie einen Sohn und wissen, was er essen wird. Kurzum, Alessio Boni, Brescianer (? ?Anm. d. Übers.: hier irrt die Dame, Villongo gehört zur Provinz Bergamo)aus Villongo, scheint ein Römer in Rom geworden zu sein: „Ich komme gerade aus der Toscana und morgen bei Tagesanbruch fahre ich wieder ab, mein Leben ist das eines Zigeuners und deshalb brauche ich einen Fixpunkt.“ Zwischen seinem 14. und 25. Lebensjahr war er unterwegs zwischen Brescia, Amerika, Mailand und Rom, er war Fliesenleger, Babysitter, Animateur, Botenjunge, Darsteller in Fotoromanen und Polizist. „Ich habe zwischen tausend Berufen gewechselt und vor allem meine Herkunft aus dem Proletariat hat mir die Sicherheit gegeben, dass, wenn mir etwas passieren sollte, ich immer noch zurückkehren und als Kellner arbeiten kann.“ Vor allem an Willen hat es Alessio Boni nie gefehlt. „ Ich habe mit 14 begonnen, mit meinem Vater in die Fabrik zu gehen, der Fliesenleger war und besuchte die Abendhandelsschule. Und natürlich gefiel es mir nicht, als Fliesenleger zu arbeiten und noch weniger, Buchhaltung zu lernen. Ich schämte mich dann verglichen mit denen, die von Gymnasium kamen, aber jetzt habe ich erkannt, dass die Familie hat meine Stärke gewesen ist. Wie Roberto Benigni es einmal gesagt hat, „ ich danke meinen Eltern, weil sie mich die Armut haben kennen lernen lassen.“ Der junge Boni war ein unruhiger Geist. Mit einem einzigen Fluchweg: einer heruntergekommenen Vespa. „Ich tauchte stundenlang auf meinen zwei Rädern unter bis ich verstanden hatte, dass ich das nicht länger machen wollte und bewarb mich bei der Polizei. Dort blieb ich 1 ½ Jahre, bis mich der gleiche Wille zu entkommen wieder packte und ich nach Amerika ging“. In den USA hat er gelernt sich durchzuschlagen: „Ich bin vor nichts zurück geschreckt, ich war Tellerwäscher, wieder Babysitter und Austräger der Morgenzeitung. Es gelang mir nicht, meinen Weg zu finden und so bin ich nach Brescia zurückgekehrt, wo die Meinen mich immer argwöhnischer betrachteten. An diesem Punkt hat ihn, wie es oft vorkommt, der Zufall gerettet. „Ich habe eine Annonce für Animateure in einem Touristendorf gelesen und bin Richtung Meer abgereist“. Jene Abende waren sein erster Eintritt in die Welt der Unterhaltung.“ Irgendwem war ich aufgefallen und er hatte mir das Centro Sperimentale empfohlen, so habe ich einen Lebenslauf geschickt und , bei der ersten positiven Antwort bin ich in Rom eingetroffen nach einer fatalen Talfahrt von Villongo im Panda. Das Auswahlverfahren sah die Auswahl von 10 Kandidaten vor, ich wurde natürlich 11. In der Kommission waren Giulietta Masina und Luigi Comencini, mir war schlecht vor Aufregung, und, kaum dass ich den Mund aufgemacht hatte, frage er mich: „Bergamo oder Brescia?“ Ich stand vor dem Zusammenbruch. Und als ob das nicht reichen würde, habe ich mich auch noch vorgestellt, indem ich einen Dialog zwischen einem Paar präsentierte, ohne daran zu denken , dass mir jemand als Partner fehlte.“. Ungeachtet dieser Anfänge hat Alessio Boni Rom nie mehr verlassen. Es gab etwas in dieser Stadt, dass ihn überzeugte, sich dort anzusiedeln: „In den ersten Tagen habe ich mich für 50000 Lire im Monat in einem Sportstudio eingeschrieben, um dort zu duschen und nachts schlief ich im Auto. Dann haben wir zu fünft eine Wohnung genommen und dort bin ich jahrlang geblieben. Eines Abends hat mich ein Freund ins Theater eingeladen, um La gatta cenerentola anzuschauen, und das war Liebe auf den ersten Blick. Ich dachte vier Stunden lang, dass ich nur das machen wollte.“ Nachdem er das Auswahlverfahren für die Privatschule des Alessandro Fersen durchlaufen hatte und Übungen machte, den verflixten Dialektakzent loszuwerden, beschloss er, sich erneut zu bewerben. Er versuchte es an der Accademia nazionale d'arte drammatica und wurde diesmal im ersten Anlauf genommen.“Ich hatte große Lehrer von Ronconi bis Stehler. Mit Strehler zu arbeiten war ein großes Glück, Dank ihm verstand ich die Dinge, trat ein in die Codices und plötzlich wurde ich frei. Auch heute bin ich ein Handwerker des Wortes und versuche, wenn ich mich ausdrücke, das Publikum zu berühren.“ Mit 29 betrat Alessio Boni die Bühne, um „Der Geizige“ von Molière zu spielen. „ Dass ich die richtige Wahl getroffen hatte, wurde mir ganz klar, als ich merkte, dass das Wort begann, eine Dringlichkeit des Fleisches zu werden“. Das Theater hat ihm unvergessliche Begegnungen geschenkt. „Mastroianni und Gassman waren groß, aber nie kühl: um ein guter Schauspieler zu sein mußt Du Dich sensibilisieren und die Kunst kennen. Wer spielt muss wissen, wie man das Leben betrachtet und dann verstehen, es in Szene zu setzen.“ In der Freizeit las er alles Mögliche, natürlich mit lauter Stimme, um die Aussprache zu verbessern: die Russen, Dante, Leopardi. Dann, nach dem Theater, näherte er sich dem Fernsehen mit dem Krimi „La donna del treno“. „Das Fernsehen ist ein großer Kessel, in dem man alles finden kann, auch wunderschöne Sachen. Ich habe zum Beispiel nichts gegen die Reality, aber es ist nicht richtig, dass es nur solche gibt, weil alle mit einem Klick aus einem gemischten Angebot auswählen können sollten.“ Dann ist er im Kino angekommen. Io sono qui von Liliana Cavani, Senza paura von Stefano Calvagna, La bestia nel cuore von Cristina Comencini, Arrivederci amore ciao von Michele Soavi , aber vor allem La meglio gioventù von Marco Tullio Giordana. Das ist der Film, durch den sich seine Perspektive geändert hat. „Für einen Schauspieler ist es ein Unterschied, ob man dich anruft, um Dir Probeaufnahmen vorzuschlagen oder ob Du Dich bewirbst. Ich habe ausgezeichnete Freunde, die noch heute gezwungen sind. , für eine Rolle anzustehen. Leider werden die Schlitzohren den Guten oft vorgezogen.“ 2003 nahm er sich eine 5jährige Zwangspause vom Theater. „Wenn Du viel Kino machst, kannst Du die Dinge nicht unter einen Hut brigen, das Theater absorbiert Dich kontinuierlich, aber 2008 überkam mich ein großes Verlangen, auf die Bühne zurückzukehren und die Gelegenheit kam Dank des Regisseurts Roberto Andò und „Il Dio della Carneficina“ und ich war zwei Jahre mit Silvio Orlando und Anna Bonaiuto auf Tournee.“ Das Theater würdigt mehr als andere Dinge die Unmittelbarkeit der Beziehung mit dem Betrachter. „Wenn Du ihnen nichts zu Trinken gibst und Dich mit der ganzen Seele dahinter stellst, nimmt das Publikum es wahr. Das was Du aussähst, bleibt: Schauspieler zu sein ist nicht wie Tänzer oder Fußballer, Du kannst mit 80 Jahren genauso Zufriedenheit erreichen wie mit 40.“ Für Boni liegt der Schlüssel zu seiner Arbeit ganz in einem Satz Goethes: „Ich wünsche mir, dass die Bühne eng/schmal sei wie das Seil eines Seiltänzers, aufdass kein Unfähiger sich dorthin wagen möge“ (Anm. d. Übers.: Goethe möge mir verzeihen, ich krieg es nicht besser). Zwischen dem ersten und dem zweiten Hauptgang kommt der Kellner und nimmt ihn auf den Arm: „Endlich ißt er mit einer Frau...Der ist immer allein oder kommt höchstens mit Bin Laden.“. Boni lacht herzlich. „Bin Laden ist einer meiner besten Freunde, ein Schauspieler mit Bart, einer von denen die heute wegen Proben anstehen. Hoffen wir, dass es gut geht.“ Sein Telefon klingelt und er entschuldigt sich , aber man versteht, dass er sich über das Telefonat freut: „In Kürze muss ich gehen, denn ich bin nach Rom gekommen, um Margarethe von Trotta zu treffen. Wir drehen zusammen „Il viaggio di Teresa“, einen Film, in dem ich die Rolle eines Arztes spielen soll, der seiner Frau gegenüber psychische Gewalt ausübt.“ Alessio Boni jagt dem Erfolg nicht nach. In der Tat. „Wenn man mir etwas von Qualtität vorschlagen würde aber ohne Erfolg, würde ich dennoch ja sagen, aber wenn Sie mir 30 Folgen von etwas vorschlagen würden, was mir nicht gefällt, aber meinen Kredit zahlen lassen würde, würde ich nein sagen. Ich leide nicht unter dem Verhältnis zum Geld, denn ich habe in meinem Leben immer verdient. Alle glauben immer, dass Fliesenleger ein Beruf für arme Schweine ist, aber trotzdem kann man auch fünf Millionen Lire im Monat verdienen.“ Das große Publikom hat ihn in der verzweifelten Rolle des Matteo Carati, dem geplagten Hauptdarsteller aus Meglio Gioventù sehr geliebt. Denjenigen, der sich an irgendeinem Silvesterabend aus dem Fenster stürzt. „ Als ich die Probeaufnahmen machte, habe ich gleichzeitig gelacht und geweint, MTG war besorgt, dass ich vielleicht nicht wissen würde, wie man einen Polizisten darstellt, aber als ich ihm gesagt habe, dass ich 1 ½ Jahre bei der Polizei gewesen bin, hat er mich umarmt. Seit einem Jahr hatte ich eine kleine Depression gehabt und vielleicht habe ich in Matteo diesen Teil von mir selbst gelegt. Wahrscheinlich gibt es in jedem Schauspieler, wie in jedem Künstler, eine Komponente der Qual, sonst hätten wir etwas anderes gemacht.“ Wenn es ihm schlecht ging, hat er großen Trost bei seinem jüngeren Bruder gefunden. Er heißt Andrea und ist Priester. Mit ihm spricht er gern, weil, so sagt er, dieser ein offener Typ sei. Er diskutiert auch gern mit Freunden, die, auch wenn er sie manchmal 2 Jahre lang nicht sieht, immer da sind. Im Übrigen ist AB kein mondäner Mann. „In jene Salons zu gehen, ich weiß nicht... Daran ist nichts Schlechtes, aber ich ärgere mich und es scheint mir eine Zeitverschwendung. Gerade habe ich einen Bauernhof in der Toskana gekauft und wenn ich Freizeit habe, fahre ich gerne hin, sammle Pilze,, beschäftige mich mit dem Garten und dem Holz, bin bei den Bauern und denke an die Renovierungsarbeiten.“ Gefühlsmäßig ist er ein Rastloser und von seinem Privatleben spricht er nicht und spricht man nicht. Ein Kind hätte er gerne, ohne zu zögern: „Wir sind alle zu sehr auf uns konzentriert. Wenn die richtige Person kommt um ein Kind zu haben wird Deine Aufmerksamkeit auf das rechte Maß zurückgeführt und , vor allem, wird es Deine Seele befreien.

Irena Maria Scalise in la rebubblica vom 12.2.2011

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Das Original dieses Textes ist unter Neue Artikel/Rassegna Stampa
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