Gedichte

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Re: Gedichte

Beitragvon mingi17 » 1. Nov 2011 11:53

Schwer zu sagen, welche der Interpretationen die schönste ist, jede hat was.

Hier ein Link zu den Gedichten von Alda Merini, die Alessio ja im Herbst in Mailand gelesen hat. Leider habe ich nur wenige deutschen Übersetzungen gefunden.
Milva hat ihre GEdichte auch für ihre Songs verwendet.

http://www.aldamerini.it/
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Re: Gedichte

Beitragvon Sweety » 1. Nov 2011 13:18

Anna, also bei diesen Vergleichen ist die Latte schon sehr hoch gelegt, - da lass ich - ehrlich gesagt - alle Varianten gelten. Fakt ist, - das Gedicht ist schon ein Wahnsinn und wenn es toll interpretiert ist hat es einfach Gänsehautfaktor! Wenn jemand den Herbst (vorallem den Spätherbst, - so nach der Ernte) musikalisch, literarisch oder sonst irgendwie wunderschön interpretieren kann, dann finde sogar ich Gefallen an dieser Zeit. ;)
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Re: Gedichte

Beitragvon Tinkerbell » 2. Nov 2011 20:12

danke Anna für diese Links..ich persönlich mag den Matthias Habich sehr...aber auch die Interpretation von Otto Sander hat was...Es geht mir eigentlich wie Gabi, wenn ich da zuhöre, bekomme ich Gänsehaut...


LG HEike
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Re: Gedichte

Beitragvon mingi17 » 4. Nov 2011 17:55

Zwar kein richtiges Gedicht, aber schön, vielleicht kann man es ja mal brauchen ;)

SE I SOGNI AVESSERO UN COLORE SAREBBERO VERDI ..
come la speranza di realizzarli .. se l'anima avesse un colore sarebbe Azzurra, come il cielo perché come il cielo anche l'anima è infinita .. se il dolore avesse un colore sarebbe Nero,come il buio, il buio che si prova nei momenti di sconforto .. se la gioia avesse un colore sarebbe Gialla,come il sole perché la gioia, come il sole, ci illumina e ci riscalda ....
-- Anonimo--

Wenn die Träume eine Farbe hätten, wäre es grün wie die Hoffnung, sie wahr werden zu lassen... wenn die Seeele eine Farbe hätte, wäre es blau wie der Himmel, denn der Himmel und auch die Seele sind unendlich... wenn der Schmerz eine Farbe hätte, wäre er schwarz wie die Dunkelheit, die Dunkelheit, die sich in den Momenten der Verzweiflung zeigt...wenn die Freude eine Farbe hätte, wäre sie gelb wie die Sonne, weil die Freude, wie die Sonne, uns wärmt und uns erleuchtet
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Re: Gedichte

Beitragvon anna » 10. Nov 2011 15:38

November

Solchen Monat muss man loben:
Keiner kann wie dieser toben,
Keiner so verdrießlich sein
Und so ohne Sonnenschein!
Keiner so in Wolken maulen,
Keiner so mit Sturmwind graulen!
Und wie nass er alles macht!
Ja, es ist 'ne wahre Pracht.

Seht das schöne Schlackerwetter!
Und die armen welken Blätter,
Wie sie tanzen in dem Wind
Und so ganz verloren sind!
Wie der Sturm sie jagt und zwirbelt
Und sie durcheinanderwirbelt
Und sie hetzt ohn' Unterlass:
Ja, das ist Novemberspass!

Und die Scheiben, wie sie rinnen!
Und die Wolken, wie sie spinnen
Ihren feuchten Himmelstau
Ur und ewig, trüb und grau!
Auf dem Dach die Regentropfen:
Wie sie pochen, wie sie klopfen!
Schimmernd hängt's an jedem Zweig,
Einer dicken Träne gleich.

O, wie ist der Mann zu loben,
der solch' unvernünft'ges Toben
Schon im Voraus hat bedacht
Und die Häuser hohl gemacht!
So, dass wir im Trocknen hausen
und mit stillvergnügtem Grausen
Und in wohlgeborgner Ruh
Solchem Greuel schauen zu!

Heinrich Seidel (1842-1906)
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Re: Gedichte

Beitragvon mingi17 » 15. Feb 2012 20:28

Von der Freundschaft

Euer Freund ist die Antwort auf eure Nöte
Er ist das Feld, das ihr mit Liebe besät
und mit Dankbarkeit erntet.
Und er ist euer Tisch und euer Herd
Denn ihr kommt zu ihm mit eurem Hunger,
und ihr sucht euren Frieden bei ihm.
Wenn euer Freund frei heraus spricht,
fürchtet ihr weder das "Nein" in euren Gedanken,
noch haltet ihr mit dem "Ja" zurück.
Und wenn er schweigt,
hört euer Herz nicht auf,
dem seinen zu lauschen;
Denn in der Freundschaft werden
alle Gedanken, alle Wünsche, alle Erwartungen
ohne Worte geboren und geteilt,
mit Freude, die keinen Beifall braucht.
Wenn ihr von eurem Freund weggeht, trauert ihr nicht:
Denn was ihr am meisten an ihm liebt,
ist vielleicht in seiner Abwesenheit klarer,
wie der Berg dem Bergsteiger von der Ebene aus klarer erscheint.
Und die Freundschaft soll kein anderen Zweck haben,
als den Geist zu vertiefen.
Und laßt euer Bestes für euren Freund sein.
Wenn er die Ebbe eurer Gezeiten kennen muß,
laßt ihn auch das Hochwasser kennen.
Denn was ist ein Freund, wenn ihr ihn nur aufsucht,
um die Stunden todzuschlagen?
Sucht ihn auf, um die Stunden mit ihm zu erleben.
Denn er ist da, eure Bedürfnisse zu befriedigen
nicht aber eure Leere auszufüllen.
Und in der Süße des Freundschaft laßt Lachen sein
und geteilte Freude.
Denn im Tau kleiner Dinge
findet das Herz seinen Morgen und wird erfrischt.

Khalil Gibran
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Re: Gedichte

Beitragvon anna » 6. Mär 2012 14:06

Vorfrühling

Stürme brausten über Nacht,
und die kahlen Wipfel troffen.
Frühe war mein Herz erwacht,
schüchtern zwischen Furcht und Hoffen.

Horch, ein trautgeschwätz'ger Ton
dringt zu mir vom Wald hernieder.
Nisten in den Zweigen schon
die geliebten Amseln wieder?

Dort am Weg der weiße Streif -
Zweifelnd frag ich mein Gemüte:
Ist's ein später Winterreif
oder erste Schlehenblüte?

Paul Heyse (1830 - 1914)
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Re: Gedichte

Beitragvon anna » 3. Mai 2012 12:59

Mailied

Der Anger steht so grün, so grün,
die blauen Veilchenglocken blühn
und Schlüsselblumen drunter.
Der Wiesengrund ist schon so bunt,
und färbt sich täglich bunter.
Drum, komme, wem der Mai gefällt,
und freue sich der schönen Welt
und Gottes Vatergüte,
die diese Pracht hervorgebracht,
den Baum und seine Blüte.

Ludwig Christian Hölty (1748 - 1776), Vertonung von Schubert
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Re: Gedichte

Beitragvon anna » 24. Jul 2012 12:48

An Vittoria Colonna

Wenn Kunst, im Stein gestaltend,
Erschaffen und erhaltend,
Dir dauernd Leben gibt und Menschenhände
Bis an der Zeiten Ende,
Wie könnte erst der Himmel dich verklären,
Der Himmel, göttlich waltend,
Der höh'rer Schönheit Spende
Als Menschenkunst verleiht, wollt' er die Hehren
Auf Erden schon Unsterblichkeit gewähren!
Doch ach, dein Bild besteht, und du musst sterben?
Wer rächt hier dein Verderben?
Dich räche die Natur, denn sieh, es bleibet
Der Menschen Werk, indes ihr Werk zerstäubet.

Michelangelo (übers. von Sophie Hasenclever)

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Re: Gedichte

Beitragvon mingi17 » 26. Okt 2015 17:35

Herbsttag

Herr, es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren lass die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten, voll zu sein;
gib ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin, und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.


Rainer Maria Rilke
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