Andrej

St. Petersburg im Jahr 1805: Während die Truppen Napoleons halb Europa erobern, bereitet sich das russische Zarenreich auf den Kriegseintritt an der Seite Österreichs vor. Bei einem Fest anlässlich des Namenstages der jungen Natascha (Cleménce Poésy) begegnen sich der uneheliche Adelssprössling Pierre Besuchow (Alexander Beyer), der ambitionierte Prinz Andrej Bolkonski (Alessio Boni) und einige Mitglieder der Familien Rostowa und Kuragin. In den Jahren bis zum Großen Krieg zwischen Frankreich und Russland erfüllen sie ihr atemberaubendes Schicksal ...

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Re: Andrej

Beitragvon Vera » 16. Apr 2008 21:09

Hallo Gerti, hallo Birgit,

... und ich bin 52 Jahre. Habe mich erst gestern angemeldet mit einem flauen Gefühl. Schließlich bin ich ja ein "gestandene, verheiratet Frau, die mit beiden Beinen fest im (Berufs-)leben steht!
Aber die Reaktion auf Deinen Beitrag, hat mich ermutigt, zu schreiben. Und ein paar Verrücktheiten muss man sich ab und an leisten.

Ja - Signore Boni - als Prinz Andrej - er spielt hinreißend kompromisslos den fahnentreuen Soldaten und Patrioten, den pflichtbewussten Sohn, den unglücklichen, von Gewissensbissen geplagten und schmerz zerrissenen Ehemann und dann die Liebeserklärung an Natascha mit solcher Intensität, sie könnte für die Ewigkeit gemacht sein (hätte da nicht Herr Tolstoi mit seiner Romanvorlage einen Strich durch die Rechnung gemacht).

Habe Interviews mit Alessio Boni gelesen und in Rai Uno angesehen. Er sieht sich in erster Linie als Theaterschauspieler. Und wie man weiß, spielen Bühnendarsteller ihre Rollen oft mit größerer Intensität, weil auf der Bühne einfach andre Regeln gelten als vor laufender Kamera. Er hat das auch in einem Interview demonstriert.

Ich habe mir den italienischen Zweiteiler von Rebecca la prima moglie von einer Italienerin aufnehem lassen. Ich habe schon immer für den Stoff geschwärmt, habe den Roman gelesen und natürlich den Hitchcok Klassiker mit Laurence Oliver als Video. Sir Laurence Olivier ist ein großer Schauspieler (Shakespeare), aber mein Fall war er nie. Ich meine immer, seine Selbstgefälligkeit zu spüren. In Rebecca spielt er den unnahbaren Herrn von Manderly der immer über den Dingen steht, zwar mit dunklen Seiten, aber immer souverän. Und seine neue zweite Frau behandelt er oft gleichgültig und herablassend. Sie muss fast bis zum Schluss um seine Zuneigung betteln.

In der italienischen Version hingegen, arbeitet Alessio Boni von Anfang an eine Persönlichkeit heraus, die zweifelsohne eine unantastbare Stellung in der britischen Gesellschaft hat, die aber von Selbstzweifeln geplagt, von Alpträumen verfoglt ist und der man anmerkt, dass auch sie ANGST hat (nicht nur seine Frau) vor der omnipräsenten Gouvernante der verstorbenen Rebecca, Mrs. Danvers. Im Gegensatz zu Laurence Olivier behandelt er seine Frau immer mit Respekt.Er spiel seine Rolle einfühlsam und sehr charmant. Der Schluss ist herzzerreißend und sehr überzeugend gespielt. Sehr natürlich und sehr süß auch seine Partnerin.

So nun muss ich zum Schluss kommen. Wünsche allen noch einen schönen Abend.

LG Vera
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Re: Andrej

Beitragvon mingi17 » 16. Apr 2008 22:08

Hallo Vera,

für die meisten von uns war ja der Andrej die "Einstiegsdroge" und jetzt sind wir hoffnungslos süchtig. Wenn es Dich beruhigt: ich bin fast 55 und ich habe mich selten so wohl gefühlt, so verstanden und habe auch lange nicht mehr so oft gelacht wie hier mit dem Forum. Allein wenn ich an die genial-verrückten Karlsruhe-Tage denke! Nein, genieße das ohne Reue, es macht nicht dick, ist höchstens im hohen Grad ansteckend! :lol:

Liebe Grüße
Birgit
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Re: Andrej

Beitragvon Avon » 8. Mai 2008 11:01

Hallo

Hat es euch "gestört", dass Nikolenka, Andrejs Sohn, zuwenig Gewicht im Film zugewiesen bekommen hatte? Natürlich war es hauptsächlich die Story zwischen Natascha und Andrej, aber im Buch gefällt mir auch vor allem der Schluss, Pierre als Ersatzvater für Nikolenka und Nikolenkas Gefühle für seinen Vater... Das hätte ich gerne umgesetzt gesehen - natürlich nicht nur wegen der Nastüechli-Industrie :D :lol:
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Re: Andrej

Beitragvon Stefflinsche » 8. Mai 2008 11:24

Avon hat geschrieben:Hallo

Hat es euch "gestört", dass Nikolenka, Andrejs Sohn, zuwenig Gewicht im Film zugewiesen bekommen hatte? Natürlich war es hauptsächlich die Story zwischen Natascha und Andrej, aber im Buch gefällt mir auch vor allem der Schluss, Pierre als Ersatzvater für Nikolenka und Nikolenkas Gefühle für seinen Vater... Das hätte ich gerne umgesetzt gesehen - natürlich nicht nur wegen der Nastüechli-Industrie :D :lol:


Da kann ich Dir nur zustimmen... Der kleine Schauspieler als Nikolenka am Anfang war doch süß! Einmal sieht man auch Alessio Boni schmunzeln, als er seinen Filmsohn auf den Arm nimmt zum Tschüß sagen...

Also wäre ich Tolstoi gewesen, dann hätte ich Andrej eher eine Tochter zugeschrieben... Die genauso wie ihr Papa wird... Da hätte man doch noch schön weitere Literatur draus mchen können... Andrejs Tochter... eine junge, hübsche, für ihre Zeit sehr selbstbewußte Frau... Könnte mir gefallen so eine Verfilmung...
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Re: Andrej

Beitragvon kurshuni » 9. Mai 2008 09:22

Hallo Mädels,

ich denke auch, dass Nikolenka etwas mehr Raum im Film hätte bekommen sollen. Zum einen war der Schluß des Buches sehr rührend, zum anderen hat das Buch Andrejs Liebe zu dem Kind sehr stark zum Ausdruck gebracht. Im Film wirkte es nicht so, als hätten Vater und Sohn eine Verbindung zueinander.
Gut, Krieg und Frieden hätte dann fünf Teile gehabt, aber das wär ja gaaaaaar nicht schlimm!

Liebe Grüße,
Sandra
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Re: Andrej

Beitragvon Stefflinsche » 9. Mai 2008 13:41

Hallo Ihr Lieben,

stellt Euch mal eine ganz ganz moderne Fassung von Krieg und Frieden vor... Prinz Andrej plötzlich als alleinerziehender Vater, der seinen Sohn füttert und wickelt, Stress mit dem Vorgesetzten hat, weil er seinen Sohn aus dem Kindergarten pünktlich abholen muß... :lol:
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Re: Andrej

Beitragvon mingi17 » 9. Mai 2008 13:48

Alessio kriegt das hin! Der kann gut mit Kindern, siehe "Uomo del Vento"! :P
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Re: Andrej

Beitragvon Stefflinsche » 9. Mai 2008 13:54

Hm, das glaube ich auch, daß er gut mit Kindern kann... Man sieht ja auch ein Schmunzeln in seinem Gesicht, wenn er seinen Filmsohn in Krieg und Frieden auf den Arm nimmt... 8-)
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Re: Andrej

Beitragvon Stefflinsche » 9. Mai 2008 15:25

Oder aber Tolstoj hätte Prinz Andrej nicht sterben lassen sollen... er hätte ja auch mit einer schweren Kriegsverletzung (Bein kaputt) überleben können, hätte seine Natascha geheiratet und noch weitere Kinder bekommen...

Nikoluschka wäre dann so ganz anders als sein Vater.... Er weigert sich auf Bälle zu gehen, verweigert den Kriegsdienst, weil es seinen Vater schon so schwer erwischt hat... Hm, das hätte interessant werden können diese Dialoge zwischen Prinz Andrej und seinem Sohn... :lol:
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Re: Andrej

Beitragvon Lucie » 9. Mai 2008 22:46

Aalsoo,

ich habe auch Buch gelesen und Film gesehen. Wenn das Buch detailgetreu verfilmt würde, wäre "Krieg und Frieden" wahrscheinlich eine Daily-Soap. Mit vielen Meinungen von Tolstoi über Kriegsführung und Krieg zu der Zeit im Allgemeinen. Das Ende von dem Mehrteiler fand ich o.k. .Das weitere Leben von den Probanten wäre ein zusätzlicher Teil, unabhängig von der Kerngeschichte. Die hätte sich Tolstoi auch sparen können. Heutzutage enden die Geschichten ja meistens mit einem grandiosen Finale, Tolstoi dachte wohl seinerzeit, er müßte seinen Lesern noch das weitere Leben seiner Figuren mitteilen. Ich für meinen Teil, wollte gar nicht wissen, das Natascha nach drei Kindern fett und Nicolaj (ihr Bruder) ein unverbesserlicher Besserwisser geworden ist.

Aber das ist meine Meinung. Ansonsten finde ich, das der Film von Robert Dornhelm sehr wahrheitsgetreu verfilmt wurde und nicht, wie von einigen Kritikern verrissen, als Schnulze daherkommt. Die Figuren kommen allesamt sehr gut rüber, vor allem Alessio, der den Andrej meiner Meinung nach genau so stolz und unnahbar spielt, wie er im Buch beschrieben wird (und ich lieg ihm seit dem zu Füßen!!!)

Gute nacht

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